Haftbedingungen
Insasse schildert Auslöser für Guantanamo-Hungerstreik

Zerrissene Koran-Ausgaben, Provokationen zur Gebetszeit: Die Zeugenaussage eines am Hungerstreik beteiligten Häftlings im US-Gefangenenlager Guantanamo belastet die Wärter - und wurde erst nach Wochen veröffentlicht.
  • 13

WashingtonEin seit elf Jahren im US-Gefangenenlager Guantanamo eingesperrter Häftling schildert in einer am Freitag freigegebenen Zeugenaussage, wie er dazu kam, sich im Februar dem Hungerstreik der anderen Insassen anzuschließen.

Der 32 oder 33 Jahre alte Afghane Obaidullah, der sich bislang weder an Hungerstreiks noch an sonstigen Protestaktionen beteiligt hatte, erzählt von einer "unerwarteten, plötzlichen und respektlosen" Razzia am 6. Februar im Lager 6 mit etwa 130 als friedfertig geltenden Gefangenen. Die Soldaten beschlagnahmten demnach persönliche Habseligkeiten der Häftlinge, was für ihn "besonders traumatisierend" war, weil er "nichts Provozierendes" getan habe.

Als besonders aufwühlend empfand Obaidullah den Umgang der US-Soldaten mit den Koran-Ausgaben der Gefangenen. Sie seien "brutal" damit umgegangen und hätten etliche Seiten zerrissen. "Das ist Gotteslästerung", bemerkt der gläubige Muslim dazu.

Seit dieser Razzia hätten die Wärter während der Gebetszeit durch Klopfen an der Tür, Lachen und lautes Reden, Türenöffnen und -zuschlagen provoziert. Das gehe so weiter, und die Haftbedingungen seien "schlechter, nicht besser" geworden.

"Ich habe jede Hoffnung verloren", fährt Obaidullah in der vierseitigen Aussage fort. "Elf Jahre meines Lebens habe ich verloren, und jetzt wurde mir auch noch meine Würde genommen." Seine Religion werde missachtet und er fühle sich seines "Menschseins beraubt".

Mittlerweile seien "fast alle Gefangenen von Camp 5 und 6 im Hungerstreik, mit Ausnahme der ältesten". Die USA hätten viele Gefangene "vor mindestens fünf Jahren für unschuldig erklärt", aber ihre Lage sei besonders schwierig, weil Washington nicht wisse, wohin es sie schicken solle.

Von den 166 Guantanamo-Gefangenen sind 86 als "freizulassen" oder in ihr Heimatland "abschiebbar" erklärt worden. Der Gefängnisverwaltung zufolge waren am Freitag 100 Häftlinge im Hungerstreik. Davon wurden 23 durch Schläuche in der Nase zwangsernährt.

Obaidullah hat soeben vor dem Obersten Gerichtshof Klage gegen seine Inhaftierung eingereicht. In erster Instanz war er gescheitert. Obaidullahs Aussage vom 27. März wurde auf Antrag seiner Anwälte nach anfänglicher Weigerung des US-Justizministeriums freigegeben.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Haftbedingungen: Insasse schildert Auslöser für Guantanamo-Hungerstreik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie sollen essen, dann werden sie nichts zwangsernährt und können draußen Fußball spielen.
    Außerdem: Anscheinend ist noch niemand beim Hungerstreik gestorben, es kann SO schlimm also nicht sein.
    Die Ereignisse der letzten Tage (london, Paris, Stockholm...) beweisen mir, dass man garnicht genug dieser "Friedenskämpfer" einsperren kann. Und so, wie es in Guantnanamo passiert ist es für diese Grußße von Depserados die einzigeg abschreckende Möglichkeit.
    Und wenn sie strerben wollen, ICH habe keinerlei Problem damit.

  • maximilian@baehring.at

    BEIDE !!!! BEITRÄGE KOPIERT .

    Frank

  • Das sollte für richterliche Befangenheit ausreichen ...

    http://www.reiki-direkt.de/20130424-ag-homburg-leichthammer--befangenheit-96F-102-13-EASO-stempel-lofi.jpg
    http://img835.imageshack.us/img835/567/20130424aghomburgleicht.jpg

    http://www.bad-homburg.eu/20130424-ag-homburg-leichthammer--befangenheit-96F-102-13-EASO-all-lofi.jpg
    http://img824.imageshack.us/img824/567/20130424aghomburgleicht.jpg

    http://www.reiki-direkt.de/20130418-villon-v2.jpg
    http://img35.imageshack.us/img35/5210/20130418villonv2.jpg

    Und ich denke auch nicht daß der Anwwlt der Gegenpartei im Sorgerchtstreit geeignet für seiene Verfahrensgegener als Vormund zu sprechen.

    http://www.bad-homburg.eu/20120806-1820-und-20020612-asfour-anon-lofi.jpg
    http://img197.imageshack.us/img197/867/201208061820und20020612.jpg

    ~~~

    Mißbrauch der Psychiatrie zur Willkürinhaftierung als feministsich (ist pro- rumhuren eigentlich emanzipiert oder ehre pro Zuhäkter-Politik) politisch motivierte Rache (für nach § 218 notwendige Inhaftierungen nach Ablauf der 3-Monats-Frist erlaubter Abtreibungen)!

    Dieselbe Frau Grohmann hier:

    http://www.skf-frankfurt.de/html/impressum.html

    wie hier:

    http://take-ca.re ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%