Handelsblatt-Reportage
Costa Nostra

Wie Spanien seine von Drogengeldern und Mafia verseuchte Sonnenküste säubert.

HB MARBELLA. Der Mann ist nur von hinten zu sehen. Er sitzt auf einer Mauer und schaut auf den Yachthafen „Puerto Banus“ in Marbella. Der Fahnder trägt einen grauen Strickpulli und gibt gerade einem spanischen Fernsehsender ein Interview. Er will dabei nicht erkannt werden. Es geht um Fragen wie diese: Wie viele der Edelholzboote sind wohl mit Schwarzgeld gekauft worden? Woher genau stammt das Geld? Aus Korruptionsdelikten? Aus Drogengeschäften? Oder aus Steuerhinterziehung?

Der Ermittler gehört zu jenen 100 Männern, die zum Erfolg der Aktion „weißer Wal“ beigetragen haben. Seit über einem Jahr hatte die Antikorruptionseinheit in Malaga, die der Staatsanwaltschaft in Madrid untersteht, die Schritte unzähliger Verdächtiger an der Costa del Sol verfolgt. Das Ergebnis: Rund tausend Unternehmen an der Sonnenküste sind an der größten Geldwäsche beteiligt, die Spanien je erlebt hat.

Es ist der 10. März, als Miguel Ángel Torres Segura, Chef der lokalen Spezialeinheit, zum Angriff übergeht. Seine Leute durchsuchen 251 Immobilien, beschlagnahmen 42 Luxusautos, zwei Flugzeuge und eine Yacht. 41 Personen werden festgenommen, darunter Finnen, Marokkaner, Russen und Ukrainer. Sie sollen 600 Millionen Euro vor allem mit Immobiliengeschäften weißgewaschen haben. Schaltzentrale war offenbar das Notarbüro des in Chile geborenen Fernando Del Valle. Hier wurden am Tag bis zu sieben neue Firmen gegründet, fast alle hatten mit Immobilien zu tun.

Seit dem Zugriff der Ermittler liegt ein Schatten über der Costa del Sol. Zwar wird hier immer noch allerorten gebaut: Golfplätze, Apartmentanlagen, Hotels. Aber im Bewusstsein vieler Spanier und auch ausländischer Investoren hat sich einiges geändert. Was bis dahin nur vermutet wurde, dass hier so manches Immobilienobjekt womöglich aus unseriösen Quellen gespeist worden sein könnte, scheint jetzt amtlich.

"Die Zahl der Kriminellen ist in Marbella so groß wie die Anzahl der illegalen Bauten."

Noch gibt es keine richterlichen Urteile, aber die zusammengetragenen Beweismittel lassen nur einen Schluss zu: Die Sonnenküste Spaniens war fest im Griff allerlei nationaler und internationaler Krimineller. „Wir drehen jetzt jeden Stein um, denn das meiste schmutzige Geld ist in Immobilien geflossen“, sagt der Fahnder im grauen Pullover. „Wir werden wohl herausbekommen, wo Schwarzgeld untergekommen ist, aber es wird schwer zu belegen sein, wem es gehört“, assistiert Juan Carlos López Caballero.

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