Handelskredite
Wirtschaft hofft auf neue G20-Hilfe

Der internationale Handel stockt - denn das Auslandsgeschäft ist oft nur noch schwierig zu finanzieren. Darum appelliert die Internationale Handelskammer ICC nun an die G20-Regierungschefs, die Finanzierung des Welthandels zu erleichtern. Vor allem die Eigenkapital-Vorschriften sollen gelockert werden.

BERLIN. Die Internationale Handelskammer ICC verlangt, dass die G20-Regierungschefs Ende des Monats neue Erleichterungen für die Finanzierung des Welthandels beschließen. Konkret fordert die Weltorganisation der Privatwirtschaft, dass für die Handelsfinanzierung die Eigenkapital-Vorschriften des Basel-II-Abkommens gelockert werden. „Die Handelsfinanzierung funktioniert inzwischen zwar wieder besser als im Frühjahr“, sagte ICC-Generalsekretär Jean Rozwadowski dem Handelsblatt: „Das gilt aber noch längst nicht für alle Weltregionen.“ Nach Beobachtungen von Banken mit Sitz in London, die auf Handelsfinanzierung spezialisiert sind, ist der Wert dieser Kredite im ersten Halbjahr 2009 fast um ein Drittel gesunken.

Die ICC, die Großkonzerne, Banken, Wirtschaftsverbände und Handelskammern in 90 Ländern vertritt und im Vorfeld der Gipfel die G20 berät, untersucht auf Bitten der Welthandelsorganisation WTO die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Handelsfinanzierung. Bei einer neuen Umfrage, an der sich im Sommer 68 Banken in 50 Ländern beteiligten, schätzt ein Drittel der Befragten die Möglichkeiten, das Auslandsgeschäft zu finanzieren, als schwieriger ein als zuvor. Im Frühjahr hatten dies noch mehr als die Hälfte der Befragten negativ gesehen. Die neue Studie, die WTO-Generalsekretär Pascal Lamy und ICC-Vizepräsident Victor Fung am 15. September im Genf vorstellen werden, liegt dem Handelsblatt bereits vor.

Die schlimmste Phase der Finanzkrise aus Sicht der Exporteure war demnach Ende 2008 bis zum Frühjahr 2009, als der Welthandel fast zum Stillstand gekommen war. Inzwischen würden viele Banken neue Handelskreditlinien für Unternehmen auflegen. Mehr als die Hälfte der befragten Institute gab an, dass sie die Bürgschaftsprogramme von Regierungen und die Förderprogramme der regionalen Entwicklungsbanken nutzen würden.

Die insgesamt 250 Milliarden Dollar, die im April von den G20-Staaten für die Unterstützung des Handels bereitgestellt wurden, haben demnach geholfen, die Finanzierung wieder in Gang zu bringen. 42 Prozent der Befragten sehen eine wachsende Nachfrage der Unternehmen. Dagegen sagten, 22 Prozent, die Nachfrage sei gesunken.

Trotz erster Erholungszeichen sind nach Meinung der ICC die G20-Staaten bei ihrem Gipfel am 24./25. September erneut gefordert. Der weltweite Zugang für Unternehmen zur Handelsfinanzierung sei die Grundvoraussetzung dafür, dass beispielsweise deutsche Unternehmen neue Aufträge aus dem Ausland erhielten, sobald die Konjunktur wieder anzieht, sagte Rozwadowski. Die Programme der Bundesregierung stießen an ihre Grenzen, wenn die Geschäftspartner im Ausland keine Handelskredite bekämen. „Wir brauchen international einheitliche Regeln“, sagte er.

Nach der Studie haben sich Handelskredite seit Jahrzehnten als sehr risikoarm erwiesen. „Deshalb gibt es eigentlich keinen Grund, an sie die gleichen Eigenkapitalanforderungen zu stellen wie an Kredite zur Unternehmensfinanzierung. Es würde sehr helfen, die Basel-II-Regeln an diesem Punkt zu lockern“, sagte Rozwadowski. Die Kosten für diese Kredite könnten dann auf breiter Front sinken.

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