Harte Zeiten für Griechenland
Arbeitsmarkt-Krise könnte noch 20 Jahre dauern

Kein Ende in Sicht: Einer Studie zu Folge könnt die massive Arbeitslosigkeit in Griechenland noch Jahre anhalten. Weitere Finanzhilfen der EU sind unvermeidlich. Auch ein zweites Euro-Land ist auf Hilfe angewiesen.
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Athen/BrüsselEine deutliche Besserung am krisengebeutelten griechischen Arbeitsmarkt dürfte nach Einschätzung der dortigen Gewerkschaften noch 20 Jahre dauern. So lange müsse gewartet werden, bis die Arbeitslosenquote unter die Zehn-Prozent-Marke fällt, heißt es im Jahresbericht des Arbeitsinstituts des größten Gewerkschaftsverbandes des Privatsektors (INE-GSEE). Aktuell liegt sie laut EU-Statistikbehörde bei 27,6 Prozent.

Dem Bericht zufolge ist die Kaufkraft der Griechen auf das Niveau von vor 14 Jahren zurückgefallen. Insgesamt hätten die griechischen Arbeitnehmer wegen der harten Sparpolitik des Landes in den vergangenen vier Jahren 41 Milliarden Euro an Einkommen verloren. Auch dieses Jahr wird mit einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaft um gut vier Prozent gerechnet. Das wäre dann das sechste Minus-Jahr in Folge. Mit einem ersten Silberstreif am Horizont wird laut Finanzministerium erst 2014 gerechnet. Dann soll die Wirtschaft um 0,1 bis 0,3 Prozent wachsen.

Nicht nur Griechenland, sondern auch Irland bekommt von der Euro-Zone voraussichtlich ein weiteres Darlehen. Irland benötige ein „Sicherheitsnetz“, wenn es sich ab Januar 2014 wieder an den Finanzmärkten finanziere, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der EU-Kommission. Es werde deshalb erwogen, dass der Euro-Rettungsschirm ESM Irland einen sogenannten Vorsorge-Kredit gewährt. Dabei handelt es sich um eine Stand-by-Kreditlinie, die nur im Notfall in Anspruch genommen wird. Die Gruppe der Euro-Finanzminister werde wahrscheinlich im November darüber entscheiden.

Im Gespräch ist zudem ein zweites Kreditpaket für Portugal. Das laufende Hilfsprogramm für das Land endet Mitte nächsten Jahres.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Harte Zeiten für Griechenland: Arbeitsmarkt-Krise könnte noch 20 Jahre dauern"

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  • Aus all den Kritiken, kann ich nur folgendes ablesen:" Deutschland geht es gut, weil Deutschland so gut ist? Welch ein Irrtum. Andere Länder geht es so schlecht, weil sie selber Schuld sind, und deshalb geht es Ihnen so schlecht. Walch ein Irrtum.

    Am Deutschen Wesen soll wieder einmal, wenn nicht die Welt, zu mindestens Europa genesen? Alle die sich gegen einen erneuten Schuldenschnitt für Griechenland aussprechen, möchte ich doch einmal Fragen, wer hat eigentlich nach dem 2. Weltkrieg den Schuldenschnitt für Deutschland bezahlt? Und wie viel Zeit wurden Deutschland die Rückzahlung seiner materiellen Schulden, gegenüber seinen Gläubigern eingeräumt?

    Schulden haben nichts mit "Schuld" zu tun, denn dann müsste Deutschland noch heute zahlen! Deutschland wollte Europa und deren Märkte, nicht aber die Menschen.

    Das Wort Produktivitätssteigerungen kommt auch nicht vor? Deutschland als größte Volkswirtschaft in Europa ist auch nicht ganz ohne Schuld an der Krise in Europa. Nach Euroeinführung hat sich Deutschland als 2. China in Europa entwickelt, und alles in Europa niederkonkurriert, ohne Rücksicht auf seine Europäischen "Partner" Hätte Deutschland so wie vereinbart, seine Löhne an Hand der Produktivitätssteigerungen plus Inflationsausgleich erhöht, wäre die Binnennachfrage in Deutschland gestärkt worden. Aber genau das Gegenteil wurde und wird weiterhin betrieben. Deutschland trägt eine Mitschuld an dieser Krise.

    Die „stolzen“ Exportüberschüsse zeugen von verschenktem Konsum und unterlassenen Investitionen in Deutschland, die als Grundlagen künftigen Wachstums fehlen, und das ist eines der Hauptgründe der Krise in Europa.


  • Hallo Halbgrieche,

    so analysierten mit paar treffenden Worten die Lage.

    Wird aber hiesige irrerscheinende "Opus-Dei Rettungsrechnerfraktion" nie begreifen. Da fehlt es an Durchblick, vor allem, wenn sie glaubhaft versichern, sie könnten eine griechische Finanzbehörde auch nur ansatzweise reformieren oder gar öffentliche politische Arbeitsplätze abbauen.
    Brave Bezahldeppen halt.

  • @ Rechner

    Erst einmal - Danke schoen, Sie haben mir geholfen. Mir war der wesentliche Unterschied EFSF/EFSM zuerst nicht ganz klar. Tatsaechlich ist der EFSM eine EU-Angelegenheit und der EFSF betrifft nur die EUR-Zone.

    ""Der EFSM war die "Spezialvariante" des EFSF für Irland.(...) Die Bundesregierung hatte darauf bestanden, weil durch die Rettung Irlands vor allem britische und skandinavische Banken "mitgerettet" wurden.""

    Diese Darstellung stimmt ist also nicht ganz richtig, denn EFSM-Mittel gab es nicht nur fuer IR sondern auch fuer PT. Ausserdem gab es fuer IR zusaetzlich zu den EFSF/EFSM-Krediten bilaterale Kredite i.H.v. 4,8 Milliarden von Großbritannien, Schweden, Dänemark.

    "also haftet Deutschland nur anteilig für die existierenden Programme mit 27,1% aus 203 Mrd = 55 Mrd."

    Die Haftungssumme (EFSF) muesste man geringfuegig nach unten korrigieren, da die 203 Mrd einen Liquiditätspuffer i.H.v. 15 Mrd beinhalten, die Programme selbst umfassen 188,3 Mrd, 27,1% aus 188,3 Mrd. = 51 Mrd.

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