Haushaltskonsolidierung macht Fortschritte
EU-Kommission lobt türkische Wirtschaft

Die Türkei ist nach Einschätzung der EU-Kommission eine „funktionierende Marktwirtschaft“. Im jüngsten Fortschrittsbericht, den die Brüsseler Behörde morgen offiziell vorstellen wird, steht zwar viel Kritisches zu Demokratiedefiziten bei dem Beitrittskandidaten. Doch für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes findet das Papier fast nur lobende Worte.

ANKARA. Die Türkei sei in der Lage, „dem Wettbewerbsdruck innerhalb der Union“ standzuhalten. Damit hat Ankara bereits eines der Kopenhagener Kriterien, an denen sich alle Beitrittskandidaten messen lassen müssen, erfüllt.

Dabei stand die Türkei noch vor vier Jahren am Abgrund des Staatsbankrotts. Die schwere Finanzkrise vom Februar 2001 stürzte das Land in die tiefste Rezession seiner jüngeren Geschichte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte um fast zehn Prozent, die Inflation stieg auf nahezu 100 Prozent, eine Million Menschen verlor binnen weniger Monate ihre Jobs. Doch inzwischen sind die Folgen der damaligen Krise fast völlig überwunden. Seit 2002 wuchs die türkische Wirtschaft kumulativ um fast 30 Prozent. Das statistische Pro-Kopf-Einkommen hat sich von 2 122 Dollar im Krisenjahr 2001 auf inzwischen 4 800 Dollar mehr als verdoppelt. Die Inflationsrate liegt mit rund acht Prozent auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten. Die Lira, die während der Finanzkrise 2001 binnen weniger Wochen mehr als 50 Prozent ihres Außenwertes verlor, ist seit über zwei Jahren eine stabile Währung. Die Türkei habe endlich den „Fluch des Sisyphus durchbrochen“ und sei in eine „Ära der Stabilität“ eingetreten, sagt Serhan Cevik, Türkei-Analyst bei Morgan Stanley.

Erfolge kann die Regierung in Ankara vor allem bei der Haushaltskonsolidierung verbuchen. Während sich das Etatdefizit 2001 noch auf 16,5 Prozent des BIP belief, waren es 2004 nur noch 7,1 Prozent. Im laufenden Jahr hofft Finanzminister Kemal Unakitan mit einem Fehlbetrag von 2,8 Prozent des BIP bereits eine der Vorgaben des EU-Stabilitätspaktes zu erfüllen, der die Grenze bei drei Prozent zieht. Damit stünde die Türkei besser da als eine Reihe von EU-Staaten. Auch beim Abbau der Staatsverschuldung gibt es Fortschritte: Von über 100 Prozent des BIP im Krisenjahr 2001 konnte der Schuldenstand bis Ende 2004 auf 73,8 Prozent abgebaut werden. Spätestens 2006 soll diese Quote unter 60 Prozent gedrückt und damit ein weiteres der fiskalischen Konvergenzkriterien erfüllt werden.

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