Heikle Mission
Bill Clinton erfüllt seine Mission in Nordkorea

Mission erfolgreich: Nordkorea hat die beiden im März festgenommenen amerikanischen Journalistinnen freigelassen. Der frühere US-Präsident Bill Clinton verließ Pjöngjang gemeinsam mit den beiden Frauen Richtung Los Angeles.

SEOUL/WASHINGTON. Clintons Besuch in Pjöngjang war zuvor nicht öffentlich bekanntgemacht worden, um den Erfolg der Reise nicht zu gefährden. Die beiden US-Reporterinnen Euna Lee und Laura Ling waren im März festgenommen worden, als sie die Grenze zwischen China und Nordkorea überschritten. Im Juni wurden sie von einem Gericht wegen "Beleidigung Nordkoreas" zu jeweils zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Bill Clinton, der Ehemann von US-Außenministerin Hillary Clinton, hatte seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama keine offizielle Aufgabe mehr für die US-Regierung übernommen. Das Weiße Haus bezeichnete gestern auch diese Mission nach Nordkorea als Privatangelegenheit des 62-Jährigen. Regierungssprecher Robert Gibbs erklärte, man wolle die Reise nicht kommentieren, um ihren Erfolg nicht zu gefährden. Washington ist seit Monaten genauestens darauf bedacht, den Fall der Journalistinnen von dem politischen Streit über das nordkoreanische Atomprogramm zu trennen. Die Verhandlungen des "Privatmanns" Clinton sollen deshalb den humanitären Charakter der Angelegenheit unterstreichen. Gleichwohl genießt der Ex-Präsident großes Ansehen in Nordkorea, da es während seiner Präsidentschaft zu einer Annäherung zwischen den beiden Staaten gekommen war.

Die verhafteten Journalistinnen waren im Auftrag des Fernsehsenders "Current TV" unterwegs, der von Clintons früherem Vizepräsidenten Al Gore mitgegründet worden war. Für einen Bericht über Arbeitsbedingungen in Nordkorea sollen sie nach Darstellung Pjöngjangs einen zugefrorenen Grenzfluss überquert haben und so auf nordkoreanisches Territorium vorgedrungen sein. Südkoreanischen Quellen zufolge befanden sie sich dagegen auf chinesischem Boden. Demnach hätten die nordkoreanischen Grenzbeamten die Reporterinnen entführt.

Die Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang hatten sich in den vergangenen Jahren wieder deutlich verschlechtert. Die Regierung von George W. Bush warf Nordkorea vor, heimlich an einem Atomprogramm zu arbeiten und Uran zur Waffenproduktion anzureichern. Pjöngjang setzte daraufhin eine Vereinbarung mit den USA aus dem Jahr 1994 aus und nahm den stillgelegten Reaktor in Yongbyon wieder in Betrieb. Nach Einschätzung von Experten verfügt Nordkorea inzwischen über genügend Plutonium, um mindestens sechs Atombomben bauen zu können. Außerdem hat das kommunistische Land nach eigener Aussage inzwischen Atomwaffen getestet. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Il habe "damit eine Trumpfkarte gespielt, die er seit der Clinton-Ära zurückgehalten hatte", sagt der Politikwissenschaftler Narushige Michishita vom National Graduate Institute for Policy Studies in Tokio.

Als US-Präsident hatte Clinton einen versöhnlichen Kurs mit Nordkorea eingeleitet, der nach der anfänglichen Drohung Pjöngjangs, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszusteigen, auch durchaus Erfolge zeigte. Ein anderer Ex-Präsident, Jimmy Carter, ebnete 1994 mit einem Besuch in dem kommunistischen Land den Weg zu einem Stopp des Atomprogramms. Im Jahr 2000 stattete die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright Pjöngjang einen Besuch ab. Seither ist aber wieder eine stetige Verschlechterung der Beziehungen zu beobachten. So schob Nordkorea sein Atomwaffenprogramm inzwischen wieder an.

Die Regierung Obama steht nun vor der schwierigen Gratwanderung, einerseits das provokante Verhalten Kims nicht zu belohnen, andererseits aber den Gesprächsfaden mit Pjöngjang nicht abreißen zu lassen. "Nordkorea ist genau darauf aus: Es will als vollwertige Atommacht anerkannt werden", sagt der Politologe Gerald Curtis, der vor wenigen Monaten mit einer US-Delegation in Pjöngjang war.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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