„Heiße Phase eines diplomatischen Krieges“
Krise zwischen USA und Russland schaukelt sich hoch

Schon Barack Obama hatte damit begonnen, gegen russische Diplomaten in den USA vorzugehen. Nun folgt mit der Schließung von Konsulaten der nächste Schritt. Weitere könnten folgen.
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WashingtonIm Streit um die mutmaßliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf geht der diplomatische Schlagabtausch zwischen den beiden Staaten weiter. Am Donnerstag ordnete das Außenministerium in Washington die Schließung des russischen Konsulats in San Francisco sowie zweier Handelsvertretungen in New York und in der Hauptstadt Washington an. Dies sei eine Reaktion auf die von Präsident Wladimir Putin verfügte Reduktion des Personals an US-Vertretungen in Russland, hieß es in einer Erklärung.

Die russische Regierung gab anschließend bekannt, sie bedauere diese Entscheidung – und machte die USA für die „Eskalation der Spannungen“ verantwortlich. Der einflussreiche Abgeordnete Leonid Sluzki wurde von russischen Nachrichtenagenturen mit den Worten zitiert: „Das ist ein sehr ungerechter Schritt. Er bedeutet, dass die USA eine heiße Phase eines diplomatischen Krieges erklären.“

„Wir brauchen keine hysterischen Impulse“, sagte der neue russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, am Donnerstag. Er war nur Stunden nach der Ankündigung der Amerikaner am Flughafen von Washington angekommen und betonte, in der diplomatischen Krise seien nun Vorsicht und Professionalität angebracht.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bedauerte die neuerliche Eskalation. Russland habe damit nicht angefangen, betonte der Chefdiplomat nach einer Mitteilung seines Ministeriums in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson. Moskau werde die US-Maßnahmen prüfen und über eine Reaktion entscheiden. Tillerson habe Lawrow angerufen, um ihn vorab zu informieren, dass Washington eine Schließung des russischen Konsulats in San Francisco verlange, hieß es in der Mitteilung.

Das US-Außenministerium gab Russland nur 48 Stunden – bis Samstag – Zeit, seine Vertretungen in den Staaten zu schließen. Damit sollten nach der „ungerechtfertigten und nachteiligen“ Entscheidung des Kremls wieder gleiche Voraussetzungen geschaffen werden, hieß es.

Jeder der beiden Nationen blieben damit drei Konsulate im jeweils anderen Land. Zum Vergleich: Im relativ kleinen Deutschland unterhalten die USA und Russland neben ihrer jeweiligen Botschaft in Berlin fünf Generalkonsulate, hinzu kommen Honorarkonsuln.

Anlass für den Schritt war die Anordnung Putins Ende Juli, die USA müssten die Zahl ihrer Angestellten in Botschaften und Konsulaten in seinem Land verringern.

Die Serie diplomatischer Retourkutschen im amerikanisch-russischen Verhältnis hatte bereits 2016 begonnen, als der damalige Präsident Barack Obama 35 russische Diplomaten auswies und zwei Freizeiteinrichtungen für die Polit-Elite aus Moskau schließen ließ. Sein Nachfolger Donald Trump hatte zunächst eine Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen in Aussicht gestellt, unterzeichnete dann aber widerwillig vom US-Kongress beschlossene Sanktionen gegen Russland.

Dies wiederum hatte Putins Anordnung ausgelöst, der den Abzug von 755 US-Mitarbeitern forderte. Die USA sollten damit nur noch 455 Angestellte in ihren Vertretungen in Russland haben und damit gleich viele wie Russland in den USA.

Wie die Vereinigten Staaten nun erklärten, sollen keine russischen Diplomaten ausgewiesen werden. Aus Regierungskreisen hieß es, sie könnten an anderer Stelle wieder eingesetzt werden. Russland könne auch selbst entscheiden, was es mit den nun vakant gewordenen Immobilien mache.

Außenamtssprecherin Heather Nauert sagte, die USA seien auch zu weiteren Schritten bereit, sollte das nötig werden. Sie hoffe aber, dass beide Seiten nun ihre Beziehungen verbessern und ihre Zusammenarbeit wieder stärken könnten. Die USA hätten auf das vollständige Herstellen diplomatischer Parität verzichtet. Die Abwärtsspirale bei den gegenseitigen Beziehungen solle gestoppt werden. Die USA wollten weiter daran arbeiten, nach Gebieten mit gemeinsamen Interessen zu suchen, um die Beziehungen wieder zu verbessern. „Wir hoffen, dass in Russland bemerkt wird, dass nicht wir es waren, die die Diskussion um Parität begonnen haben.“

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ Maidan

    Russen in den deutschen Wahlkampf einmischen

    Wie sollen die Russen denn das veranstalten ?

    Bei ihnen gehrt es wohl hauptsaechlich darum, den Mainstreamstuss daherzulabern..?!


  • Ich habe den Eindruck, Russland hat noch gar nicht verstanden, dass auch Deutschland mit dipolmatischen Konsequenzen droht, wenn sich die Russen in den deutschen Wahlkampf einmischen. Allerdings gibt es dafür bereits einige Anzeichen. Putin sollte es sich gut überlegen, ob er weitere Sanktionen von Ländern wie Deutschland gebrauchen kann.

  • zur Abwicklung der Visaangelegenheiten reichen heutzutage ( moderne Kommunikationsmoeglichkeiten ) jeweils eine Botschaft mit 50 Mitarbeitern.

    Den Rest koennen die Beiden auf dem Sanktionsweg entsorgen !

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