Helmut Schmidt zum Trichet-Abschied
"Das Euro-Krisengerede ist leichtfertiges Geschwätz"

In seiner Rede bei der Verabschiedung von EZB-Chef Trichet übte Altbundeskanzler Schmidt heftige Kritik an der Politik. Deren Unfähigkeit sei eine viel größere Bedrohung für den Euro als die Staatsverschuldung.
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FrankfurtEs war ein vorgezogener Euro-Gipfel, der am Mittwochabend in der Frankfurter Alten Oper zusammentrat. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Europas Spitzen von José Manuel Barroso bis Hermann von Rompuy, Zentralbanker und Finanzminister. Doch mitten in der Krise ging es einmal für zwei Stunden nicht um den Kampf gegen die Schuldenkrise, sondern darum, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, würdig in den Ruhestand zu verabschieden. Hunderte prominenter Gäste aus Politik und Finanzwesen waren dazu gekommen. Sie waren jedenfalls deutlich in Überzahl gegenüber den rund 50 Protestierern hinter den Drängelgittern.

Trichet zeigte sich noch einmal als Schöngeist und zitierte in seiner Rede Johann Wolfgang von Goethe: „Wissen ist nicht genug, wir müssen es anwenden. Wollen ist nicht genug, wir müssen es tun.“ Klarer formulierte er seinen Ärger über die Politik nicht – bei früheren Gelegenheiten hat er keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich von den Regierungen oft im Stich gelassen fühlte.

Das übernahm für ihn Altbundeskanzler Helmut Schmidt.  „Das Gerede von einer Krise des Euro ist leichtfertiges Geschwätz von Politikern und Journalisten“, schimpfte er.  In Wahrheit handele es sich „um eine Krise der Handlungsfähigkeit der politischen Organe“. Und fügte hinzu: „Für die weitere Zukunft Europas ist das eine viel größere Bedrohung als die Überschuldung einiger Euro-Länder.“

„Allein die EZB hat sich als handlungsfähig und als wirksam erwiesen“, lobte Schmidt. Unter Trichets Führung habe sie „nach eigener Einsicht pragmatisch gehandelt“. Dabei habe sie ihre Unabhängigkeit bewahrt.

Mitglieder des Zentralbankrates äußerten  anschließend beim Empfang  ihre Genugtuung über Schmidts Worte. Auch der frühere hessische Ministerpräsident und heutige Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, Roland Koch, lobte Schmidts Rede. „Alle leiden darunter, dass es zu langsam geht“, sagte er, zeigte aber auch Verständnis. „Das ist ein Problem, das zur Baugeschichte Europas gehört.“
Schmidt erinnerte daran, wie nach 1945 mit Hilfe des Marshallplans Deutschland und Europa wieder aufgebaut worden seien. Nun gebe es keine Ausreden, sondern „die Pflicht zur Solidarität“ innerhalb der Euro-Zone.

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Der Fleck auf Trichets Weste

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  • Daß Deutschland - im Sinne des Deutschen Volkes - Nutznießer des EUROs ist, ist doch ein Lüge. Das Geld ist weiss-Gott-wo gelandet, nur nicht bei den Bürgern, Steuerzahlern, mittelständischen Unternehmern.

    Wenn diese Mär stimmen würde, dann müßte es ja allen prima gegangen sein, in den letzten Jahren. Das sehe ich nicht. Alles Zahlentrickserei, um die arbeitende Bevölkerung zu blenden.

  • @missionpossible
    Schmidt hat was zu verbergen. Er ist nämlich hochgradig traumatisiert aufgrund seiner Biografie. Was hat der wohl alles als Offizier der Wehrmacht in Russland zu verantworten? Schmidt war außerdem im Publikum bei Freislers Schauprozessen im Volksgerichtshof in Berlin 1944 - da hat er die Schnauze gehalten. Dieser senile Greis ist also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hoch traumatisiert - und deshalb hat er die Bereitschaft, das deutsche Volk dauerhaft zu versklaven, um sein schweres Gewissen zu entlasten. Wie sagte Schmidt doch in einem Interview? "Deutschland muss das ganze 21. Jahrhundert bezahlen... vielleicht auch noch das 22. Jahrhundert."
    Wer so spricht, kann kein gemeinsames Europa aufbauen wollen, ein Europa, in dem es Europäer zweiter Klasse gibt - nämlich die Deutschen! Ich jedenfalls habe mir NIE ausgesucht, Deutscher zu sein. Und ich lehne jede Schuld ab. Es gibt persönliche Schuld - da soll der Greis mal mit klarkommen, bevor er in die Gruft geht. Ich jedenfalls trage keine persönliche Schuld und lasse mich nicht versklaven!!!

  • @Amen
    Eine schöne Analyse, die aber eine andere Konsequenz bereit hält: Deutschland sollte SOFORT von der EU gezwungen werden, wieder die DM einzuführen. Dann wäre das An-die-Wand-Pressen endlich beendet. Endlich wäre der deutsche Handelsbilanzüberschuß dezimiert. Endlich wäre der deutsche Wettbewerb ernsthaft behindert.
    Das seh ich auch so: Deutschland sollte die DM einführen. Der Rest des Problems löst sich dann von allein. Das ist die einzig richtige Schlußfolgerung.

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