Hilfen für die Banken, aber keine Verstaatlichungen
Investoren begrüßen italienisches Rettungspaket

Investoren und Ökonomen haben das Krisenpaket der italienischen Regierung mit Erleichterung aufgenommen. Das Paket sieht vor, dass der Staat für Spareinlagen bis zu 103 000 Euro, die bereits heute von einem privaten Einlagenfonds garantiert werden, geradesteht.

MAILAND. Investoren und Ökonomen haben das Krisenpaket der italienischen Regierung mit Erleichterung aufgenommen. Am Mittwochabend hatte der eigens dafür einberufene Ministerrat beschlossen, das Bankensystem und die Sparer in der Krise zu unterstützen. Das Paket sieht vor, dass der Staat für Spareinlagen bis zu 103 000 Euro, die bereits heute von einem privaten Einlagenfonds garantiert werden, geradesteht. Außerdem kann sich die Regierung am Aktienkapital der Banken beteiligen, sollten diese am Markt keine Investoren für eine nötige Kapitalerhöhung finden. Nur im Notfall soll der Staat vorübergehend stimmrechtslose Vorzugsaktien erwerben können.

Damit lehnt sich Italien an das Modell an, das auch Großbritannien gewählt hat. "Keine italienische Bank riskiert, verstaatlicht zu werden, wie dies in anderen europäischen Ländern als Folge der Finanzkrise geschehen ist", stellte Premierminister Silvio Berlusconi klar. Medienberichte über einen Rettungsfonds für Banken in Höhe von 20 Mrd. Euro hat die Regierung bisher nicht bestätigt. "Es gibt keine Grenze", sagte Finanzminister Giulio Tremonti. "Wir werden von Fall zu Fall entscheiden."

Ökonomen loben den Vorstoß aus Rom: "In Italien ist das Paket positiv aufgenommen worden, denn es war nicht klar, dass die Regierung so schnell reagieren würde", sagte Alessandro Fugnoli von der italienischen Investmentbank Abaxbank. Er lobte auch, dass die Regierung eng mit der Zentralbank zusammenarbeite, die in Italien auch die Bankenaufsicht innehat. Derzeit sei nicht abzusehen, dass die Regierung in Kürze Anteile an italienischen Banken erwerben werde, sagte der Ökonom. Für die Zukunft könne dies aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Vor allem die italienische Großbank Unicredit war in den vergangenen Wochen in Schwierigkeiten geraten und hatte am Sonntag überraschend eine Kapitalerhöhung über 6,6 Mrd. Euro beschlossen. Sie musste Abschreibungen in Höhe von 700 Mio. Euro einräumen, die größtenteils bei der in München ansässigen Investmentbank-Sparte der HVB angefallen sind.

"Unicredit ist von der Banca d?Italia zu einer sofortigen Kapitalerhöhung aufgefordert worden, um die Verluste der deutschen Tochter (HVB) abzudecken. Das Kapital haben sie am Markt gefunden, und dieses einzige Problem ist damit gelöst", sagte Berlusconi gestern am Rande eines Treffens mit dem rumänischen Regierungschef Calin Tarinceanu. "Die Banca d?Italia schaut sich derzeit die Situation der Liquidität und Kapitalisierung der anderen Institute an: Im Moment ist die Lage unter Kontrolle, und einen eventuellen Eingriff wird es nur geben, wenn es nötig ist", fügte der Ministerpräsident hinzu. "Wir sind nicht im Jahr 1929", beruhigte Berlusconi die Italiener.

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