Hilfskredite
Griechenland hält mal wieder die Hand auf

Es ist wie bei Sisyphos: Nach dreißig Jahren wollte Athen über den Berg sein – und seine Kredite zurückzahlen. Heute fordert das Land beim Eurogruppen-Treffen quasi einen weiteren Schuldenschnitt. Die Chancen stehen gut.
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In Athen ist es ein offenes Geheimnis: Giannis Stournaras wird wohl nicht mehr lange als Hausherr im 6. Stock des Finanzministeriums am Syntagmaplatz sitzen. Bei der für Juni erwarteten Kabinettsumbildung könnte der 58-jährige Wirtschaftsprofessor ein paar Häuserblocks weiter in die Chefetage der Bank von Griechenland an der Panepistimiou-Straße umziehen, so wird vermutet.

Doch vor dem Aufstieg zum Zentralbankchef will Stournaras als Finanzminister noch eine Sache auf den Weg bringen, das ihm besonders am Herzen liegt: Er möchte den Euro-Partnern Erleichterungen bei der Rückzahlung der gewährten Hilfskredite abhandeln. So soll Griechenlands immense Schuldenlast tragbar werden. „Wir werden dieses Thema in der Eurogruppe auf die Tagesordnung bringen, damit die Diskussion darüber beginnen kann“, kündigte Stournaras an.

Finanzministerkonferenzen waren für den Mann aus Athen selten erfreuliche Termine. Oft standen die Griechen wegen schleppender Reformen und stockender Privatisierungen am Pranger. Aber wenn Stournaras an diesem Montagnachmittag in Brüssel zum Treffen der Eurogruppe kommt, kann er selbstbewusst auftreten. Er hat ermutigende Zahlen in seiner großen braunen Ledertasche. Griechenland macht Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung. Im ersten Quartal betrug das Defizit nur 448 Millionen Euro, gegenüber 1,35 Milliarden in den ersten drei Monaten 2013. In der Primärbilanz, die den Schuldendienst ausklammert, ergab sich sogar ein Überschuss von 1,54 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie im Budget angesetzt. „Wir werden in diesem Jahr die von den internationalen Gläubigern gesetzten Etatziele deutlich übertreffen“, heißt es im Finanzministerium am Athener Syntagmaplatz.

„Wir haben 85 Prozent unserer Haushaltskonsolidierung bereits geschafft“, erklärte Finanzminister Stournaras vergangene Woche. „Das bedeutet: Der schwierigste Teil des Weges liegt hinter uns – aber wir haben noch eine Strecke zurückzulegen.“

Kommentare zu " Hilfskredite: Griechenland hält mal wieder die Hand auf"

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  • Überraschung nicht wirklich, trotz Pseudo ''Primärüberschuss'' und von der EZB gekauften Schuldtitel vor kurzer Zeit.

    Die zahlen die Milliarden nie zurück, wer was anderes glaubt hat schön die Scheuklappen auf.


  • HB und seine griechische Endlosschleife. Mittlerweile gaben einige alte Kommentatoren schlichtweg auf.

    Das Krisengeschmarre/geballte Dummheit ist und bleibt unerträglich, ebenso jedwede gebastelte "Lösungsansätze".

    Ein kriminelle Struktur lässt sich halt nicht mit Schuldenschnitt gesunden...

    Also: auf ein Wiedersehen in Athen ... 2018/ Schnitt Number ?

    Macht weiter so ihr braven Weihnachtsmänner.

  • na wenn die Griechen damit durchkommen, dann Glüuckwunsch. Deutschland bzw die deutschen Steuerzahler zahlen gerne. frage mich nur warum die Portugiesen, die gester so stolz mitgeteilt haben dass sie aus dem Hilfsprogramm ohne weitere Unterstützung rauskommen, darauf so stolz sind. Die sind doch verglichen mit den Griechen komplett dumm.

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