Hisbollah-Chef Nasrallah
Israel will den Scheich weiter jagen

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat vor dem Parlament in Jerusalem versichert, dass Armee und Geheimdienst weiter versuchen werden, Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah zu töten. Gleichzeitig räumte Olmert Fehler beim Kampf von Bodentruppe und Luftwaffe gegen die Hisbollah im Libanon ein.

HB JERUSALEM. Olmert versprach am Montag in der Knesset in Jerusalem, die Führung der radikal-islamischen Organisation weiterhin „an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt“ verfolgen zu lassen. „Die Anführer dieser Terror-Organisation sind in den Untergrund abgetaucht. Diese Leute werden von uns keine Ruhe bekommen. Sie werden nicht straflos davonkommen. Wir brauchen uns dafür nicht zu entschuldigen und niemanden um Erlaubnis bitten“, fügte er hinzu.

Olmert verteidigte das Ergebnis der fünfwöchigen Kämpfe und erklärte, der Einsatz habe sich gelohnt. Die Hisbollah, die tausende Raketen auf Israel abgefeuert habe, könne nicht mehr „als Teil der Achse des Bösen von innerhalb des Libanons aus agieren“, sagte der Regierungschef. Dabei benutzte er eine Formulierung von US-Präsident George W. Bush, die dieser auf Staaten wie den Iran und Nordkorea gemünzt hatte.

Angeblich starb kein Hisbollah-Führungskader

Während der über einmonatigen Angriffe auf Ziele im Libanon hatte die israelische Luftwaffe immer wieder Gebäude vor allem im Süden von Beirut bombardiert, in denen Führungsmitglieder der Hisbollah, darunter deren Generalsekretär Scheich Hassan Nasrallah, vermutet wurden. Es ist nicht bekannt geworden, dass ein Führungskader der pro-iranischen Organisation getötet wurde. Der Krieg war durch einen Überfall der Hisbollah auf die israelische Armee ausgelöst worden, bei dem die Extremisten zwei Soldaten entführt haben.

Olmert übernahm in seiner leidenschaftlichen Rede die Verantwortung für das militärische Vorgehen gegen die Hisbollah-Miliz. „Es gab Versäumnisse“, gestand Olmert. „Wir müssen uns auf allen Ebenen selbst prüfen. Die Gesamt-Verantwortung für diesen Einsatz liegt bei mir, dem Ministerpräsidenten. Ich bitte niemanden darum, sie mit mir zu teilen.“

Verteidigungsminister Amir Perez hatte zuvor bereits eine gründliche und breit angelegte Untersuchung aller Ereignisse vor und während des Krieges angekündigt. Der Chef der sozialdemokratischen Arbeitspartei hat wie Olmert so gut wie keine militärische Erfahrung und stand gemeinsam mit dem Regierungschef in der Kritik, die Offensive nicht entschlossen und umsichtig genug geführt zu haben. Vor allem wird kritisiert, dass die Armee weder die von der Hisbollah entführten Soldaten befreit noch die Miliz völlig zerschlagen hat. Olmert hatte diese beiden Ziele zu Beginn der Offensive gesetzt.

Oppositionschef: Hisbollah hat jetzt Chance zur Aufrüstung

Der Chef der rechts-konservativen Opposition im Parlament, Benjamin Netanjahu, verzichtete auf persönliche Angriffe auf Olmert, warnte aber vor einem Wiedererstarken der Hisbollah: „Es gibt niemand, der sie aufhalten wird.“ Die Waffenruhe biete der Miliz nur die Chance, sich für den nächsten Schlagabtausch zu rüsten.

Netanjahu nutzte die Debatte zugleich für eine umfassende Abrechnung mit Olmerts Versprechen, durch einen einseitigen Rückzug Israels aus umstrittenen Gebieten Sicherheit zu schaffen: „Wir haben den Libanon bis auf den letzten Zentimeter verlassen und sie schießen auf uns. Wir haben den Gazastreifen bis auf den letzten Zentimeter verlassen und sie schießen auf uns. Das Konzept einseitiger Rückzüge ist gescheitert.“ Olmert hat die Wahl im März mit dem Plan gewonnen, nach dem Gazastreifen auch Teile des Westjordanlandes aufzugeben und die israelischen Grenzen damit endgültig festzulegen. Die politische Rechte bezeichnete dies als eine Ermutigung der Extremisten zu noch mehr Gewalt.

Nasrallah spricht von „historischem Sieg“

Scheich Nasrallah hielt seinerseits eine Rede, die vom Hisbollah-Fernsehsender Al Manar am Montag ausgestrahlt wurde. Nasrallah sagte, die Hisbollag habe eine „strategischen, historischen Sieg“ über Israel errungen und werde dabei helfen, die von israelischem Bombardement in den vergangenen 34 Tagen zerstörten Häuser im Libanon wieder aufzubauen. Die im Libanon angerichtete massive Zerstörung spiegele Israels „Versagen und Impotenz“, erklärte der Hisbollah-Führer.

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