Hochwasserkatastrophe
Seuchengefahr auf dem Balkan

Das Hochwasser auf dem Balkan hat tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Und nach der Flut wächst nun die Angst vor dem Ausbruch von Seuchen. Es wird dauern, bis die Menschen sicher in ihre Häuser zurückkehren können.
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BelgradWenn sich eine Flut zurückzieht, hinterlässt sie eine Spur der Zerstörung: Schlamm und Kadaver verendeter Tiere bleiben zurück. Bakterien und Parasiten sitzen in Wasserleitungen, Wänden und Pfützen. Auf die Gefahr des Ertrinkens und den Verlust von Hab und Gut folgt das Risiko gefährlicher Krankheiten.

Es wird dauern, bis die Menschen sicher wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Die Flutwellen, die die Balkanländer Serbien, Bosnien-Herzegowina sowie Kroatien trafen, sind die schlimmsten, welche die Region seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt hat. Kroatiens Gesundheitsministerium rief für das Flutgebiet im Land eine Warnung vor Epidemien aus. Auch in den anderen betroffenen Gebieten herrscht ein hohes Krankheitsrisiko.

„Jedes überflutete Haus muss vernünftig desinfiziert werden“, erklärt der Epidemiologe Veljko Djerkovic vom Belgrader Institut für Öffentliche Gesundheit der Nachrichtenagentur dpa. Zunächst müssten die Tierkadaver eingesammelt und verbrannt werden. Dann müssten Schlamm und Fäkalien beseitigt werden.

In der Zwischenzeit ist es Aufgabe der Behörden, so schnell wie möglich die Wasserversorgung wieder in Gang zu setzen. Und auch das dauert: Eventuell in die Rohre geratenes verschmutztes Wasser muss erst herausgespült und Bakterien mit Chlor abgetötet werden.

Wenn es in den Wohnungen wieder Trinkwasser gibt, müssen die Wände getrocknet und mit einem antibakteriellen Anstrich versehen werden. Laut Djerkovic könnte es zwei Monate dauern, bis die Menschen wieder in ihre Häuser zurückkehren können, ohne der Gefahr ansteckender Krankheiten ausgesetzt zu sein.

Nicht nur in den überfluteten Regionen lauert das Infektionsrisiko, auch in den Sammelunterkünften, in die Tausende geflüchtet sind. „Wir beobachten die Sammelzentren vor allem wegen Atemwegsinfektionen und die Flutgebiete in Hinblick auf infektiöse Darmerkrankungen“, erklärt Djerkovic.

Währenddessen läuft die bis zu sechs Wochen lange Inkubationszeit (Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch) für Krankheiten, die mit Wasser einhergehen, das von Fäkalien aus Abwässerkanälen oder von Tierkadavern verunreinigt wurde - wie zum Beispiel Typhus und Hepatitis A. Diese Infektionsgefahr besteht solange, bis die Gebiete desinfiziert wird. „Da führt kein Weg drum herum“, sagt Djerkovic. „Es gibt immer den Druck von Menschen, die in ihre Häuser zurückkehren wollen, sobald das Wasser abgezogen ist. Aber das wäre sehr waghalsig.“

Eine weitere Gefahr kommt nach dem Rekordregen in der vergangenen Woche dazu: Bei der schwülen Wärme werden in den Pfützen Milliarden von Moskitoeiern gelegt werden. Die Stechmücken können gefürchtete Krankheiten übertragen, wie etwa das West-Nil-Fieber. „Das ist noch ein Weg, auf dem wir tätig werden müssen: Der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln, um diese Gefahr einzudämmen“, sagt Djerkovic. Um die Mückenlarven abzutöten, muss das Gift aus der Luft oder von Fahrzeugen aus auf die betroffenen Gebiete gesprüht werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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