Hollande im Louvre
Islamische Kunst gegen islamistische Fanatiker

Frankreichs Staatspräsident Hollande hat am Dienstag eine neue Abteilung des Louvre in Paris eröffnet. Dabei nutzte er die Gelegenheit und rechnete mit den radikalen muslimischen Kräften ab.

ParisRadikale Islamisten schlägt man am besten mit ihren eigenen Waffen, muss sich Frankreichs Staatspräsident François Hollande gedacht haben. Kurz entschlossen hat er am Dienstag die neue Abteilung des Louvre für islamische Kunst eröffnet und dies zum Anlass genommen, um mit den radikalen muslimischen Eiferern abzurechnen. Der Präsident zeigte, wie politische Kunst sein kann, auch wenn sie viele Jahrhunderte alt ist: Unter Anspielung auf die aktuellen Ausschreitungen islamistischer Kräfte in verschiedenen Ländern und auf die Zerstörung von kostbaren Kunstschätzen durch Al Kaida-Anhänger in Mali sprach Hollande von der „unergründlichen Dummheit der Fanatiker“. In ihrer Ignoranz, Menschenfeindlichkeit und Engstirnigkeit beriefen sie sich zu Unrecht auf die islamische Kultur und Zivilisation.

Vor zahlreichen Politikern und Würdenträgern aus der islamischen Welt, die selber in ihren Ländern nicht immer Vorbilder an Pluralismus und Toleranz sind, hob Hollande hervor, dass es nicht nur eine, sondern „1001 unterschiedliche islamische Zivilisationen“ gebe: „Ihre Ehre ist, dass sie alle älter, lebendiger, toleranter als diejenigen sind, die heute missbräuchlich in ihrem Namen sprechen wollen.“ Sie verkörperten das exakte Gegenteil des Obskurantismus, der heute mit Gewalt und Hass die Werte des Islam zerstöre. Aus jedem der rund 3000 ausgestellten Objekte - die gesamte Sammlung ist mit ihren rund 18 000 Kunstwerken wohl die größte Kollektion islamischer Kunst auf der Welt - spreche eine Liebe zur Freiheit und Harmonie, zur freien Entfaltung künstlerischer Fähigkeiten, die jeder Einengung widerspreche. Hollande folgerte: „Die besten Waffen zum Kampf gegen den Fanatismus, der sich auf den Islam beruft, finden sich im Islam selber ».

Die Schaffung der neuen Abteilung hatte der damalige Präsident Jacques Chirac 2003 beschlossen. Nicolas Sarkozy legte 2008 den Grundstein für die neuen Räume, die sich über zwei Stockwerke erstrecken und in einem früher nicht genutzten Innenhof angesiedelt sind. Die obere Etage hat eine Glasdecke, unter der ein gewelltes Metallgewebe das Licht filtert und einen zeltartigen Eindruck hervorruft. Die neue, achte Abteilung des Louvre kostete rund 100 Millionen Euro und wurde nicht nur vom französischen Staat, sondern auch von Sponsoren finanziert, teilweise auch aus islamischen Ländern.

Von Samstag an können die Besucher Gegenstände von erstaunlicher Farbenfreude und Gegenständlichkeit bewundern, die eine Zeitspanne vom 9. bis zum 19. Jahrhundert umfassen und das verbreitete Vorurteil widerlegen, der Islam verbiete figürliche Darstellungen und seine Kunst erschöpfe sich in Kalligrafie. Geografisch erstreckt sich die Herkunft der Kunstwerke von Spanien bis nach Indien. Die Palette reicht von Alltagsgegenständen wie Trinkgefäßen über Teppiche und Wandfliesen bis zu Skulpturen.

Seite 1:

Islamische Kunst gegen islamistische Fanatiker

Seite 2:

Kulturen blühen gemeinsam auf

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%