Hollande versus Sarkozy
Duell der Todfeinde

In Frankreich kündigt sich ein politisches Drama an: Präsident François Hollande hielt seinen alten Widersacher Nicolas Sarkozy für erledigt. Doch der plant sein politisches Comeback. Dabei vergisst er jedoch die Wähler.
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ParisIn Paris treffen zwei große Egos aufeinander, zwei Männer, die sich nicht ausstehen können: Staatspräsident Franҫois Hollande, der am Donnerstagnachmittag auf einer seiner halbjährlichen Pressekonferenzen versuchen wird, seinen rapiden Ansehensverlust zu stoppen und den verheerenden Effekt des Enthüllungsbuchs zu kontern, das seine Ex Valérie Trierweiler geschrieben hat. Ein paar Tage später, wohl am Sonntag, tritt der Politiker zurück auf die Bühne, den Hollande vor zweieinhalb Jahren geschlagen hat und der sich eigentlich aus der Politik zurückziehen wollte: Nicolas Sarkozy. Er hat seine Niederlage nie verwunden und hofft, dass – wie auf einer Wippe – der sinkende Hollande ihn nach oben katapultieren wird.

Ein politisches Drama kündigt sich da an. Hollande hielt Sarkozy für erledigt. Der stets hyperaktiv wirkende Ex-Präsident ist in mindestens fünf große Justizaffären verwickelt, seine Partei ist in zerstrittene Clans zerfallen, die Mehrheit der Franzosen will nach wie vor nichts von ihm wissen. Doch Hollande hat sich verschätzt: Sarkozy ist von einem Sendungsbewusstsein getrieben, das keine Grenzen kennt. Der klein gewachsene Mann hält alle seine innerparteilichen Konkurrenten für Zwerge. Die Tatsache, dass nur noch weniger als ein Fünftel der Franzosen hinter Hollande steht, gibt ihm neuen Auftrieb. Und er hat wohl schlicht keine Lust, den Rest seines Lebens zwischen seiner Anwaltskanzlei, dem Reisezirkus der Reden haltenden Elder Statesmen und den Konzerten seiner Lieder trällernden Gattin Carla Bruni zu verbringen.

Von Hollandes Pressekonferenz werden keine großen politischen Ankündigungen erwartet. Der Präsident dürfte vor allem auf die außenpolitische Lage eingehen und auf die Irak-Konferenz zurückkommen, die er am Montag in Paris organisiert hatte um die Anstrengungen im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ zu koordinieren. Französische Flugzeuge sind mittlerweile bereits im Einsatz, um Daten und Zielkoordinaten zu sammeln.

Spezialkräfte stehen laut Aussage der kurdischen Peshmerga schon seit einiger Zeit an der Front. Hollande dürfte ausführlich darstellen, wie er sich den Einsatz im Irak vorstellt. Ganz einfach wird das nicht für ihn. Obwohl die Franzosen traditionell die Reihen schließen, wenn der Präsident einen Militäreinsatz befiehlt, bröckelt mittlerweile angesichts des schweren Fehlschlages in Libyen die Begeisterung für Kriege ohne klares politisches Ziel.

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