IAEA
Keine EU-Hilfe für Reaktor im Iran

Die Europäische Union hat sich gegen eine Bitte des Iran um internationale Hilfe beim Bau eines Atomreaktors gewandt, bei dessen Betrieb waffenfähiges Plutonium entstehen würde.

HB WIEN. „Wir können ein Projekt nicht technisch unterstützen, das ein erhebliches Risiko birgt, dass Atomwaffen verbreitet werden“, sagte die finnische EU-Gesandte Kristi Helena Kauppi dem Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA am Montag. Der Iran hatte sich mit einer entsprechenden Bitte an das Gremium gewandt.

Wahrscheinlich werde der Rat die Entscheidung verschieben, sagten Diplomaten. Sieben anderen iranischen Anträgen auf Hilfe dagegen könnte der Rat zustimmen. Westliche Staaten fordern, die Anfrage abzulehnen, weil der Iran die IAEA mehrmals hintergangen habe. Auch die USA lehnen die Bitte des Iran ab, überlassen allerdings der EU den Vortritt. Russland und China unterstützen dagegen den Vorstoß des Iran. Die Islamische Republik will, dass die Organisation hilft, die Sicherheitsstandards bei dem Projekt nahe der Stadt Arak einzuhalten.

„Die Verschiebung ist die wahrscheinlichste Option, weil sie dazu beitragen würde, Entwicklungsländer im Gouverneursrat nicht zu verärgern“, erklärte ein hochrangiger IAEA-Diplomat. Diese Staaten befürchten, dass eine völlige Ablehnung des iranischen Antrags sich auf ihre eigenen Atomprogramme auswirken könnte.

Eine IAEA-Expertin erklärte dem Gremium, der Antrag sei den Juristen der Organisation zufolge legitim. Schließlich beziehe er sich nicht auf die Uran-Anreicherung oder Schritte zur Brennstoffproduktion, deren Stopp der UN-Sicherheitsrat angeordnet hat.

Irans Vertreter bei der IAEA, Aliasghar Soltanieh, warf dem Westen vor, die Entscheidung zu politisieren. Wenn die IAEA zustimme, werde sie jedoch größeren Einfluss auf das Projekt als derzeit haben, sagte er. Der Reaktor wird nach iranischen Angaben auch ohne die Unterstützung der IAEA fertig gestellt.

Der 40-Megawatt-Reaktor soll dem Iran zufolge radioaktives Material für medizinische Zwecke produzieren. Als Nebenprodukt entsteht bei Schwerwasserreaktoren allerdings auch Plutonium, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. Der Iran steht im Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten, hat selbst jedoch wiederholt erklärt, die Atomtechnik lediglich für friedliche Zwecke zu entwickeln.

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