„Ihr bringt uns um!“
„Besorgniserregende“ Gewalt bei Protesten in Istanbul

In Istanbul sind Proteste gegen ein Park-Projekt am Freitag eskaliert. Mit einer umstrittenen Härte ging die Regierung gegen die Aktivisten vor – so dass einige gar um ihr Leben fürchteten.

IstanbulMit der gewaltsamen Räumung eines Protestcamps in einem Istanbuler Park hat die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine Protestwelle ausgelöst.

Zehntausende wütende Bürger demonstrierten am Freitag in der türkischen Metropole rund um den zentralen Taksim-Platz bis in die Nacht, während die Polizei Wasserwerfer und Tränengas einsetzte. Demonstranten sagten der Nachrichtenagentur dpa, es habe zahlreiche Verletzte gegeben.

Die Polizei setzte so viel Tränengas ein, dass die Luft auch in den angrenzenden Stadtteilen gasgeschwängert war. Einige der vorwiegend jungen Demonstranten zündeten auf einer Hauptstraße zum Taksim-Platz Einfassungen und Container der beteiligten Baufirmen an. Die Protestierenden riefen: „Die Regierung soll zurücktreten!“

In Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften schrien einige Demonstranten: „Ihr bringt uns um!“ Mehrere Protestteilnehmer warfen Steine auf die Beamten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von mehr als 100 Verletzten, die Behörden von zwölf Menschen, die in Krankenhäusern behandelt würden. Landesweit gingen in mehreren Städten der Türkei tausende Menschen auf die Straßen, um sich mit den Demonstranten in Istanbul zu solidarisieren.

Im Gezi-Park am zentralen Taksim-Platz soll nach dem Willen der Stadtverwaltung ein Kasernengebäude aus dem 18. Jahrhundert neu errichtet werden, in dem später unter anderem ein Einkaufszentrum untergebracht werden soll. Außerdem ist ein Kulturzentrum geplant. Für die Bauarbeiten sollen einige der rund 600 Bäume in dem Park an andere Orte verpflanzt werden. Die Arbeiten begannen im November. Am Freitagabend entschied ein Gericht, dass sie vorläufig ausgesetzt werden sollten.

Die Protestbewegung kritisiert, dass die Umgestaltung eine der letzten Grünflächen im Stadtzentrum vernichten würde. Seit Montag besetzten Anwohner und Naturschützer in wachsender Zahl den Park. Dabei wurden sie von Parlamentsabgeordneten der Opposition unterstützt. Täglich kam es zu kleineren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der Protest richtet sich auch allgemein gegen Großprojekte der Regierung, etwa die neue Brücke über den Bosporus und einen dritten internationalen Flughafen für Istanbul.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wies die Einwände der Parkaktivisten am Mittwoch zurück. „Macht, was Ihr wollt, wir haben entschieden“, sagte er. In Istanbul regiert Erdogans islamisch-konservative Partei AKP.

Die US-Regierung zeigte sich am Freitag „besorgt“ angesichts der Gewalt. „Der beste Weg, für Stabilität, Sicherheit und Wohlstand zu sorgen, ist, die Meinungsfreiheit zu respektieren“, sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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