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Carl Bildt: Mann mit Brüsseler Ambitionen

Der Außenminister Carl Bildt spielt in den kommenden sechs Monaten während der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft eine zentrale Rolle. Dem geschätzten Politiker mit exzellenten Sprachkenntnissen werden bisweilen Ambitionen auf einen Top-Job in Brüssel nachgesagt - seine Frau sitzt schon im Europaparlament.

Auf den Mund gefallen ist er noch nie. Carl Bildt, Schwedens konservativer Außenminister, kann austeilen, hat aber auch einzustecken gelernt. In den kommenden sechs Monaten wird er allerdings sein Mundwerk etwas zügeln müssen. Denn Schweden übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft, der Außenminister ist neben dem Regierungschef eine der zentralen Figuren. "Wunder stehen nicht auf unserer Agenda", sagte Bildt vor ein paar Tagen auf die Frage, wie er denn die EU-Erweiterung vorantreiben wolle.

Er weiß, was durchzusetzen ist und was nicht. Erfahrungen auf dem glatten diplomatischen Parkett hat er reichlich sammeln können. Nach dem Studium der Philosophie und Politik wurde er bereits als 25-Jähriger einer der Berater des damaligen konservativen Parteivorsitzenden Gösta Bohman. Bohman wurde für Bildt zum Ziehvater, war für kurze Zeit sogar sein Schwiegervater.

Die weiteren Stationen des charismatischen Bildt: Parlamentsabgeordneter, Staatssekretär, außenpolitischer Sprecher seiner Partei. Es wunderte kaum jemanden in Schweden, dass der aus adligem Hause stammende Bildt 1986 die Parteiführung übernahm. Und nur fünf Jahre später beendet er mit seinen Konservativen eine fast 60-jährige Regierungszeit der Sozialdemokraten. Bildt wird Regierungschef und ist auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Doch schon drei Jahre später, 1994, wird die Regierung wieder abgewählt. Bildt zieht sich aus der Innenpolitik zurück, übernimmt internationale Vermittlungsaufträge auf dem Balkan.

Umso überraschender war 1996 seine Ernennung zum schwedischen Außenminister. Heute ist er ein geschätzter Politiker in Europa, ein großer Deutschland-Freund mit exzellenten Sprachkenntnissen. All das hat auch dazu geführt, dass ihm bisweilen Ambitionen auf einen Top-Job in Brüssel nachgesagt werden.

Der überzeugte Europäer äußert sich dazu nicht. Warum auch, er kann in den kommenden sechs Monaten ein perfektes Bewerbungsschreiben abgeben. Praktisch wäre es schon: Seine Frau, Anna Maria Corazza Bildt, wurde gerade für die schwedischen Konservativen ins Europaparlament gewählt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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