Im Profil: Lech Kaczynski
Der letzte Bush-Krieger im Osten

Sie sind die Rufer nach den Raketen, doch für ihn ist es wie die Rückkehr in die Familie: Lech Kaczynski, Polens umstrittener Staatschef, hat sich als letzter amtierender Bush-Krieger geoutet und die Pläne für einen Anti-Raketen-Schild befeuert. Damit reiht sich der Rechtspopulist ein in eine ganze Reihe prominenter Befürworter der Bush-Pläne.

HB. Lech Kaczynski, Polens umstrittener Staatschef, hat als erster prominenter Amtsträger den Appell mittel- und osteuropäischer Ex-Präsidenten wie Vaclav Havel (Tschechien), Michal Kovacz (Slowakei) oder Adam Adamkus (Litauen) öffentlich unterstützt. Darin warnen die Osteuropäer Barack Obama vor seinen neuen Freunden in Russland.

Damit begibt sich Kaczynski zurück in die gute Gesellschaft anerkannter Politiker der Region – nachdem er Polen zuletzt europaweit blamiert hatte wegen seines Widerstandes gegen den Euro, seiner Bedenken beim Unterschreiben der polnischen Ratifizierungs-Urkunde zum Lissabon-Vertrag und vor allem wegen seiner öffentlichen Fehden mit Premier Donald Tusk. Nun fordert der 60-Jährige im Gleichklang mit den Politik-Promis der Region vom neuen Chef des Weißen Hauses „die Errichtung des Raketenschutzschildes“. Es sei von „ausschlaggebender Bedeutung für Amerikas Glaubwürdigkeit als Weltmacht und Bündnispartner“.

Mit dieser Stellungnahme in der „Gazeta Wyborcza“ outet sich der Jura-Professor als letzter amtierender Bush-Krieger: Denn der Plan eines Anti-Raketen-Schilds in Polen und Tschechien, das offiziell gegen den Iran gerichtet, aber von Russland als Provokation gesehen wird, war eine Idee von Obamas Vorgänger George W. Bush. Obama hat indes im Kreml die Raketen zur Disposition gestellt, um ein besseres Klima mit Moskau zu schaffen. Lech Kaczynski, der zusammen mit Zwillingsbruder Jaroslaw die rechtspoulistische Partei Recht und Gerechtigkeit gegründet hatte, wurden zuletzt in Umfragen keine Chancen auf Wiederwahl im kommenden Jahr mehr eingeräumt. Den Polen ist er inzwischen wieder am liebsten als Schauspieler: 1962 spielte er mit Zwilling Jaroslaw die Hauptrolle in einem Kinderfilm.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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