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Mauricio Funes: Vermittler an allen Fronten

Mauricio Funes ist der neue Präsident El Salvadors, er setzte sich gegen den Kandidaten der rechten Arena-Partei durch. Funes wird es nicht leicht haben: Sowohl die starke Opposition als auch die orthodoxen Kader seiner aus der Linksguerilla hervorgegangenen Partei FMLN werden ihm Steine in den Weg legen.

In den letzten Wochen des Wahlkampfs begann Mauricio Funes seinen Tag mit einem alten Hausrezept: Er gurgelte mit Ingwerwasser, um die chronische Heiserkeit zu bekämpfen, die zuletzt jeden seiner Auftritte begleitete. Ein Jahr und drei Monate hat der künftige Präsident El Salvadors Wahlkampf gemacht und dabei ohne Unterbrechung geredet. Denn in dem von Lügen und Verleumdungen gezeichneten Wahlkampf musste der 49-Jährige stets klarstellen, dementieren und erklären. Mit Erfolg, denn bei der Wahl am Sonntag setzte er sich gegen den Kandidaten der rechten Arena-Partei durch, die das Land seit 20 Jahren regierte.

Ingwerwasser braucht Funes wohl auch als Staatschef, denn er wird künftig an vielen Fronten vermitteln müssen: Die Opposition ist stark und wird ihm Steine in den Weg legen, aber auch die orthodoxen Kader seiner aus der Linksguerilla hervorgegangenen Partei FMLN werden ihn viele Worte kosten. Funes kann in einem noch immer tief gespaltenen und konservativen El Salvador ein erfolgreicher Präsident nur mit Positionen sein, die wenig links der Mitte liegen.

So trug er im Wahlkampf feine Anzüge statt des roten Partei-Hemdes. An der engen wirtschaftlichen Bindung an die USA - es gibt einen Freihandelsvertrag, und der Dollar ist Landeswährung - will er nicht rütteln. Und während viele FMLN-Kader die Nähe zu Venezuelas Präsident Hugo Chávez suchen, bewundert Funes den sozialdemokratischen Weg von Luiz Inacio Lula da Silva in Brasilien. Vielleicht auch deshalb, weil er in zweiter Ehe mit der Brasilianerin Vanda Pignato verheiratet ist, einer Freundin Lulas und Mitbegründerin der brasilianischen Arbeiterpartei PT.

Im zwölfjährigen Bürgerkrieg wurde Funes als junger Reporter bekannt, der als Erster die Comandantes der FMNL interviewte. Er musste aber auch den Tod seines Bruders Roberto verkraften, der als Studentenführer im August 1980 von der Polizei ermordet wurde. Später wurde Funes zum beliebtesten Fernseh-Journalisten, der sich als kompetenter und unbequemer Interviewer einen Namen machte. So gerne Funes auch redet - über eines spricht er nicht: den Tod seines Sohnes Alejandro, der vor anderthalb Jahren als Student in Paris ermordet wurde.

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