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Rahm Emanuel: Geliebt, gehasst, gelobt

Wo Obama ist, ist der 49-jährige Rahm Emanuel nicht weit. Obama hört auf seinen Stabschef wie vielleicht auf keinen anderen. Dabei bietet Emanuel reichlich Angriffsflächen. Er ist kämpferisch, oft aggressiv und vergreift sich zuweilen derart im Ton, dass ihm dies den Spitznamen „Rahmbo“ eingetragen hat.

WASHINGTON. Wenn nervös ist, dann streckt er gerne seine Finger durch und lässt sie hörbar krachen. So wie kürzlich bei einem Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und wichtigen Kongressabgeordneten. Als sich Obama mit einem missbilligenden Blick zu seinem Stabschef umdrehte, rückte dieser noch näher an das Ohr des Präsidenten und ließ die Knochen noch einmal knirschen. Diese Episode illustriert exakt das Verhältnis der beiden: ziemlich distanzlos, reichlich frech, äußerst vertraut.

Wo Obama ist, ist der 49-jährige Emanuel nicht weit. So wie bei Obamas erster großer Pressekonferenz am Montag. Neben Regierungssprecher Robert Gibbs stehend, lehnte Emanuel da an der Wand des East-Rooms im Weißen Haus und beobachtete seinen Chef. Und der fühlt sich sichtlich wohl, wenn er Emanuel in seiner Nähe weiß. Obama hört auf seinen Stabschef wie vielleicht auf keinen anderen. Als Emanuel vorschlug, den Republikaner Ray LaHood zum neuen Transportminister zu machen, wollte Obama zunächst nicht. Drei Tage später aber machte Obama dem republikanischen Abgeordneten genau dieses Jobangebot. Weil ihn Emanuel überzeugt hatte, dass LaHood die richtige Wahl sei.

Dabei bietet Emanuel reichlich Angriffsflächen. Er ist kämpferisch, oft aggressiv und vergreift sich zuweilen derart im Ton, dass ihm dies den Spitznamen „Rahmbo“ eintrug. Er ist so tief in seiner jüdischen Herkunft verwurzelt, dass seine Nominierung in der arabischen Welt Erschrecken auslöste.

Und als jetzt das Konjunkturpaket im Repräsentantenhaus verhandelt wurde, ließ sich der republikanische Minderheitsführer John Boehner über Emanuel so aus: „Er hat uns einfach bei der Gurgel gepackt.“ Dass diese Methodik nicht immer der Sache dienen muss, zeigte allerdings das Ergebnis. In seltener Eintracht stimmten ausnahmslos alle republikanischen Kongressabgeordneten gegen das Konjunkturpaket. LaHood aber hat wenig Sorge, dass nicht auch Emanuel dazulernt. „Er passt sich immer mehr dem Stil seines Chefs an“, sagt er. Und der genießt immerhin den Ruf des „No Drama Obama“.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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