Immer mehr Menschen suchen Jobs im Ausland
Ein Motor der Globalisierung

Der Schweizer Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, und Filiberto, mexikanischer Bauarbeiter in den USA, haben eines gemeinsam: Beide arbeiten im Ausland und zählen zu den weltweit rund 175 Mill. Migranten. „Die Zahl der Migranten wird weiter ansteigen“, prognostiziert die Internationale Organisation für Migration (IOM).

GENF. Im Jahr 2050 könnten nach IOM-Schätzungen 230 Millionen Menschen im Ausland ihren Lebensunterhalt verdienen. Die meisten von ihnen müssten, wie Filiberto, auch künftig mit eher schlecht bezahlten Jobs in reichen Ländern vorlieb nehmen.

Dennoch: Die wachsende Gruppe der „Expats“ gewinnt globale wirtschaftliche Macht. Nach Berechnungen der Weltbank stieg die Summe der registrierten Überweisungen in die Heimatländer von zwei Mrd. Dollar im Jahr 1970 auf 93 Mrd. Dollar im Jahr 2003. Anderen Schätzungen zufolge fließen sogar 150 Mrd. Dollar jährlich zurück in die Heimat der Arbeitsmigranten. Dieser Betrag übersteigt die jährliche Entwicklungshilfe um mehr als das Zweifache.

Der Löwenanteil des Geldes wird an Verwandte und Freunde in armen Ländern überwiesen. Schon jetzt sind viele Staaten in eine Abhängigkeit gerutscht. Die Philippinen etwa erhalten rund ein Zehntel der nationalen Wirtschaftsleistung von Landsleuten jenseits der Grenzen. In Mexiko entsprechen die Überweisungen aus dem Ausland den gesamten Einnahmen aus dem Tourismus. „In Honduras sind die Transfers inzwischen die Hauptquelle für Devisen geworden“, sagt Honduras’ Uno-Botschafter in Genf, Benjamin Zapata.

Dass viele Länder sich auf das Wohlwollen ihrer Landsleute im Ausland verlassen, liegt auch an der Konstanz der Zahlungen. Der Weltbank zufolge ist der Umfang der Überweisungen stabiler als alle anderen Formen des Devisen-Zuflusses. „Das Geld ist immer da, und Honduraner erwirtschaften es für Honduraner“, so Zapata. Unter Experten ist aber umstritten, ob die Zahlungen langfristig den Daheimgebliebenen nutzen. „Die Frage, ob Emigration einen Beitrag zur Entwicklung der Abwanderungsregion leisten kann oder ob sie im Gegenteil nur deren Unterentwicklung festschreibt, wird unterschiedlich beantwortet“, sagt der Wiener Migrationsforscher Karl Husa.

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