Indien
Präsidentschaftskandidatin spricht mit totem Guru

Tausende indische Abgeordnete haben einen neuen Präsidenten gewählt. Favoritin für das weitgehend repräsentative Amt des Staatsoberhaupts ist die 72-jährige Pratibha Patil, die allerdings zuletzt für reichlich Irritationen sorgte.

HB NEU-DELHI. Patil wird wahrscheinlich die erste indische Präsidentin. Die Opposition hat nicht genug Stimmen, um ihren Kandidaten, den amtierenden Vizepräsident Bhairon Singh Shekhawat, durchzudrücken. Der Posten des indischen Präsidenten ist weitgehend zeremonieller Natur. Die Ergebnisse der Wahl werden für Samstag erwartet.

Patil wurde im Wahlkampf heftig angegriffen. So wurden ihr mangelndes nationales Ansehen und eine ganze Serie von Skandalen vorgeworfen. Kritiker erklärten, sie sei nur wegen ihrer Verehrung für die Vorsitzende der Kongress-Partei, Sonia Gandhi, für das Präsidentenamt nominiert worden.

Patil sorgte vor allem für Irritationen, als sie kürzlich verkündete, sie habe mit dem Geist eines verstorbenen Sektenführers gesprochen. Noch schwerer wiegt Patils Vergangenheit - die Amt und Regierung beschädigen könnte.

Die Zeitschrift „India Today“ nannte Patils Nominierung eine „beschämende Wahl“, andere Medien kommentierten ähnlich. Erste Wahl war die 72-Jährige auch für Sonia Gandhi nicht. Die linken Parteien, die die Minderheitsregierung in Neu Delhi stützen, ließen zahlreiche andere Kandidaten durchfallen. Die Kongresschefin zauberte dann zur allgemeinen Verblüffung Patil aus dem Hut. Schon Sonia Gandhis Schwiegermutter, der 1984 ermordeten Premierministerin Indira Gandhi, war Pratibha Patil treu ergeben.

Auf Bundesebene war die bisherige Gouverneurin des Bundesstaats Rajasthan vor der Nominierung aber kaum bekannt. „Wer ist Pratibha?“, fragten indische Zeitungen. Diese Frage änderte sich rasch in „Warum Pratibha?“, als immer mehr aus der Vergangenheit der Kandidatin - die die erste Frau im Präsidentenamt wäre - und ihrer Familie ans Licht kam.

1973 gründete die aus dem Bundesstaat Maharashtra stammende Politikerin eine Genossenschaftsbank, die Frauen aus der Armut helfen sollte. Nach Gewerkschaftsangaben bedachte der Vorstand Patils Verwandte großzügig mit Krediten, von denen demnach mehr als 400 000 Euro nie zurückgezahlt wurden. Im Jahr 2003 entzog die indische Bundesbank dem Geldinstitut die Lizenz. Kleinanleger beklagen bis heute, dass sie nicht voll für ihre Einlagen entschädigt wurden.

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