„Indignados“ auf der Straße
Spanier demonstrieren gegen Krise und Sparpolitik

Tausende Spanier erinnern am Sonntag mit Protesten an die Geburtsstunde der Bewegung der „Empörten“. Vor zwei Jahren gingen sie erstmals gegen die Krisenpolitik ihrer Regierung auf die Straße.
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MadridTausende Spanier haben am Sonntag gegen die hohe Arbeitslosigkeit in ihrem Land und die Sparpolitik der Regierung protestiert. In etwa 20 spanischen Städten des Euro-Krisenlandes fanden Kundgebungen statt, zu denen verschiedene Gruppen und Initiativen aufgerufen hatten.

Anlass war der bevorstehende zweite Jahrestag der Entstehung der Bewegung der „Empörten“. Die Protestbewegung hatte am 15. Mai 2011 damit begonnen, in mehreren spanischen Städten zentrale Plätze zu besetzen und dort Zeltlager zu errichten. Aufgrund des Datums ihrer Entstehung wird die Bewegung in Spanien auch „15-M“ genannt. Sie richtet sich vor allem gegen die Macht der Banken, gegen die Krisenpolitik der Regierung und gegen die Korruption. Die Protestwelle hatte nach und nach ganz Europa erfasst, zeitweise nahmen in Spanien regelmäßig zehntausende Menschen an den Aktionen teil.

Die Kundgebungen am Sonntag standen unter dem Motto „Von der Empörung zur Rebellion“. In Madrid zogen drei Demonstrationszüge aus verschiedenen Stadtteilen zum Platz „Puerta del Sol“, den Anhänger der Protestbewegung vor zwei Jahren wochenlang besetzt gehalten hatten. Dort versammelten sich die Teilnehmer zu einer Schweigeminute. Die Polizei kündigte an, dass sie eine erneute Besetzung des Platzes nicht hinnehmen werde.

Schätzungen zur Zahl der Teilnehmer an den Protesten lagen zunächst nicht vor. Die Teilnehmerzahl am Sonntagabend war allerdings trotz anhaltender Krise und Rekordarbeitslosigkeit deutlich geringer als zu den Hochzeiten der Protestbewegung.

Spanien leidet seit längerem unter den Folgen einer im Jahr 2008 geplatzten Immobilienblase. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone befindet sich seit Ende 2011 in der Rezession, die sich zum Ende des vergangenen Jahres noch einmal verschärft hat. Angesichts der Lage fährt der konservative Regierungschef Mariano Rajoy einen strikten Sparkurs, er will mit für die Bevölkerung schmerzhaften Einschnitten innerhalb von drei Jahren 150 Milliarden Euro einsparen. Dagegen gibt es immer wieder Proteste.

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Indignados“ auf der Straße: Spanier demonstrieren gegen Krise und Sparpolitik"

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  • "das die Regierung unfähig ist, mit neuen Ideen Arbeitsplätze zu schaffen, ... "

    Eine Regierung schafft keine Arbeitsplätze, sondern stellt die Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung.
    Auch Spanien ist keine alte DDR :)

  • "In Spanien bleiben die Schulden erhalten und die geleisteten Zahlungen bekommen sie auch nicht zurück."

    Das spanische Insolvenzrecht wurde geändert.
    Ich glaube es ist jetzt ein Jahr, und dann entscheidet ein Gericht.

  • das die Regierung unfähig ist, mit neuen Ideen Arbeitsplätze zu schaffen, das ist der Skandal, egal wie, aber es muss sich doch da mal einer hinstellen und den Spaniern ein plausibles Konzept vorlegen, wie der Neustart aussieht, es ist doch nicht der erste Staaatsbankrott in der Geschichte!

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