Infosys-Gründer
Schmiergeldzahlungen sollten legal sein

N.R. Narayana Murthy, Mitgründer des indischen Softwarekonzerns Infosys, hat sich für ein verblüffendes Modell der Korruptionsbekämpfung ausgesprochen. Das Zahlen von Schmiergeld müsse legalisiert werden, die Annahme von Schmiergeld müsse hingegen strafbar bleiben.
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Neu DelhiDas Zahlen von Schmiergeld müsse legalisiert werden, die Annahme von Schmiergeld müsse hingegen strafbar bleiben. Dies sagte Murthy laut der indischen Nachrichtenagentur PTI in einer Rede in der westindischen Stadt Ahmedabad.

„Wenn Schmiergeld zahlen legal ist und Schmiergeld annehmen illegal, dann würde der Schmiergeldzahler den Schmiergeldempfänger an die Behörden verraten.“ Der potenzielle Empfänger von Schmiergeld würde in diesem Wissen gar kein Geld mehr annehmen.

Dieses vom Regierungsberater Kaushik Basu vorgeschlagene Modell sei eine „interessante Idee“, die umgesetzt werden sollte, sagte Murthy laut PTI. Die weit verbreitete Korruption schade dem Wachstum Indiens, sagte der Firmengründer. „Hätten wir die Korruption bekämpft, wäre ein zweistelliges Wachstum der indischen Wirtschaft möglich gewesen.“

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International führt Indien auf Platz 87 der korruptesten Länder, in der Rangliste zehn Plätze vor China.

In jüngster Zeit flog in Indien eine Reihe von Bestechungsskandalen rund um Unternehmensgeschäfte auf. Schmiergelder gehören zum Alltag. Behördenmitarbeiter verlangen Gelder für Dienstleistungen jeglicher Art, vom Freischalten einer Telefonverbindung über das Ausstellen einer Geburtsurkunde bis hin zum Erstellen des Führerscheins.

Murthy hatte Infosys mit sechs anderen Unternehmern im Jahr 1981 gegründet. Das Startkapital betrug 250 Dollar. Im kommenden Monat wird er 65 Jahre alt und scheidet aus der Führung des Unternehmens aus - er wird dann Verwaltungsratsvorsitzender ehrenhalber.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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