Innerhalb von zwölf Monaten
Italien will Milliardenschulden bei Firmen begleichen

Italien will die miese Zahlungsmoral der öffentlichen Verwaltung auf Vordermann bringen. Nach einem Erlass des Ministerrats sollen Schulden bei Unternehmen in Milliardenhöhe beglichen werden.
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RomItalien plant einen Teil seiner ausstehenden Milliardenrechnungen zu begleichen. Der Ministerrat um den scheidenden Regierungschef Mario Monti verabschiedete am Samstag nach langer Diskussion einen entsprechenden Erlass. Demnach sollen Schulden in Höhe von 40 Milliarden Euro bei Unternehmen bezahlt werden. Die Regierung hofft, damit die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Die öffentliche Verwaltung solle das Geld innerhalb von zwölf Monaten zahlen, kündigte Monti bei einer Pressekonferenz in Rom an.

Dabei wolle man nach wie vor die EU-Defizitgrenze von drei Prozent des BIP einhalten. Aus Regierungskreisen verlautete, Wirtschaftsminister Vittorio Grilli werde am Montag in Brüssel mit EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn über die Maßnahmen sprechen.

Italien müsse zwei Dinge tun, sagte Grilli zu dem Beschluss: Die Erholung der Wirtschaft vorantreiben und gleichzeitig die Haushaltsdisziplin bewahren. "Es ist ein schmaler Pfad, aber es ist ein Pfad, den wir gehen können." Die Regierung werde im September die Lage neu prüfen. Sollte ein Überschreiten der Defizitgrenze von 2,9 Prozent drohen, könnten weitere Maßnahmen ergriffen werfen. Die Regierung in Rom hatte Ende März ihr Defizitziel auf 2,9 Prozent des BIP von bislang 1,8 Prozent erhöht.

Die verspätete Zahlung von Rechnungen sei „eine inakzeptable Situation, die lange akzeptiert wurde“, sagte der Regierungschef. „Die bis jetzt aufgehäuften Schulden der öffentlichen Verwaltung sind eine Last auf der Zukunft der Unternehmen und der Bürger.“ Insgesamt soll Italien Lieferanten und Dienstleistern zwischen 90 und 130 schulden, berichteten italienische Medien. Oft brauche der Staat jahrelang, um Forderungen zu begleichen, weshalb vielen Unternehmen die Pleite drohe.

Allerdings: Das für die Rückzahlung notwendige Geld will Italien durch die Ausgabe zusätzlicher Staatsanleihen beschaffen. Dadurch steigen das Haushaltsdefizit und die Verschuldung des Krisenlandes weiter an.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Innerhalb von zwölf Monaten: Italien will Milliardenschulden bei Firmen begleichen"

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  • Wenn die (oder die anderen Anti-Spinner) was zu sagen haben, fahren Sie den Euro, die Wirtschaft, Europa und unsere Sozialsysteme vor die Wand.

    Aha, soll das heissen, dass es der Wirtschaft in Europa momentan blendend geht, die Sozialsysteme gesichert und somit alles in bester Ordnung?

    Darf ich fragen, in welchem Tal der Ahnunglungslosen Sie leben und wie Sie es schaffen aus demselbigen Zeichen an die zivilisierte Welt zu schicken?

  • Sehr schön für die Firmen. Da wäre noch eine kleine Frage zu beantworten - woher nehmen, wenn nicht stehlen?

  • @Rechner: Selten von Ihnen so einen unqualifizierten Unsinn gelesen.
    1. Die Deckung der Sozialsysteme über Beiträge ist schon seit Jahren nicht mehr gegeben und wird durch Steuerzuschüsse ausgeglichen
    2. Natürlich müssen nach jedem gängigen Bilanzierungsstandard auch Rückstellungen für Pensionen u.ä. passiviert werden, d.h. in der Bilanz als Verbindlichkeit ausgewiesen werden. Diese werden über Wahrscheinlichkeiten (Sterbetafeln etc) berechnet und abdiskontiert in der Bilanz gezeigt (vgl. IAS 19 oder §253 HGB)
    3. „unendlich“ ist mathematisch natürlich nicht korrekt, aber im Sinne eines pointierten Stillmittels durchaus verwendbar und in diesem Zusammenhang sicherlich angebracht.
    4. Nach IAS 17 muss Herr Meier auch seine zukünftigen Miet- und Leasingverpflichtungen in seinem Jahresabschluss ausweisen
    5. Da Überschuldung kein Insolvenzgrund mehr ist (vgl. §19 InsO) kann Herrn Meier da nichts passieren, so lange die Liquidität hat, seine Miete zu bezahlen.
    6. Natürlich werden Beitrage für Renten u.ä. angepasst. Nur in einem Niedrigzinsumfeld wie dem heutigen, in dem Versicherungen, Pensionsfonds und betriebliche Pensionsverpflichtungen aufgrund der niedrigen Zinsen unter Druck stehen wird dies zu enormen Problemen führen.
    7. Der 1997 unter schwarz-gelb eingeführte Demographische Faktor in der Rente wurde von rot-Grün wieder einkassiert. Seit 2004 wird wieder ein bisschen mit Nachhaltigkeitsfaktoren experimentiert, aber ohne das es hier ein richtiges Konzept gibt.
    Erst informieren, dann schreiben!

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