Interview
„Mexiko muss wieder eine Energiemacht werden“

Enrique Peña Nieto will am Sonntag neuer Präsident von Mexiko werden. Wie er die Wirtschaft ankurbeln will, welche Rolle der Energiemarkt dabei spielt und wer den Drogenkrieg stoppen soll, erklärt er im Gespräch.
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Herr Peña Nieto, sollten Sie am Sonntag zum Präsidenten Mexikos gewählt werden, übernehmen Sie ein Land mit immensen Problemen. Wo muss am dringendsten etwas verändert werden?

Wirtschaftswachstum, Armutsbekämpfung und Bekämpfung der Kriminalität - das sind die drei Felder, die ich als Erstes angehen werde. Wenn die Wirtschaft wieder wächst, lösen sich mittel- bis langfristig die anderen Probleme auch.

Wie wollen Sie die Wirtschaft ankurbeln?

Mexiko ist in den vergangenen zwölf Jahren kaum zwei Prozent jährlich gewachsen. Unser Land könnte aber dreimal mehr wachsen. Ich sehe Chancen für einen BIP-Anstieg von fünf bis sechs Prozent. Dafür brauchen wir endlich Strukturreformen wie die Verbesserung des Steuersystems und die vorsichtige Öffnung des Energiesektors. Ferner will ich die Investitionen in die Infrastruktur verdoppeln und die riesige informelle Wirtschaft abbauen.

Eine heilige Kuh ist die Öffnung des Energiesektors und des Erdölunternehmens Pemex für private Investitionen.

Wir fördern immer weniger Öl und importieren immer mehr Benzin. Das geht nicht mehr lange gut. Der Druck auf die öffentlichen Kassen steigt. Mexiko muss wieder eine Energiemacht werden. Wir brauchen eine pragmatische Energiereform, die private Investitionen zulässt, ohne auf die Hoheit des Staates zu verzichten. Fördern wir so wieder mehr Öl, haben wir auch mehr Geld, das man in die Förderung erneuerbarer Energien stecken könnte.

Ein Problemfeld ist der Drogenkrieg. Was sind Ihre Ansätze?

Die Bevölkerung will endlich wieder ihren Frieden haben. Dafür brauchen wir eine gemeinsame Front gegen die Gewalt. Über die will ich die Probleme angehen, unter denen die Mexikaner heute am stärksten leiden: Mord, Entführung und Erpressung. Dazu gehört eine nationale Einheitspolizei, in der endlich alle Kräfte gebündelt werden.

Die Perspektive der Heranwachsenden ist oft aussichtslos. So sind sie eine leichte Beute für das organisierte Verbrechen.

Für mich ist das einer der entscheidenden Punkte. Ich will Arbeitsplätze und Chancen für alle schaffen, vor allem für die Jugend. Wir haben unseren Nachwuchs in den vergangenen Jahren vernachlässigt und so fruchtbaren Boden für das organisierte Verbrechen geschaffen.

Klaus Ehringfeld
Klaus Ehringfeld
Handelsblatt / Korrespondent

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