Interview mit Hermann Wagner
„Obama will Nägel mit Köpfen machen“

Ob US-Präsident Barack Obama mit seinen Plänen zur Neuordnung der US-Finanzaufsicht wirklich den großen Wurf hat machen können, analysiert Experte Hermann Wagner von der Frankfurt School of Finance im Gespräch mit dem Handelsblatt.

US-Präsident Obama will die Bankenaufsicht umfassend reformieren. Sind seine Vorschläge der große Wurf?

Sie entsprechen in weiten Teilen den Eckpunkten, die in den vergangenen Monaten diesseits und jenseits des Atlantiks bereits angeklungen sind. Obama ist aber der Erste, der wirklich versucht, die Vorschläge umzusetzen. Er versucht, Nägel mit Köpfen zu machen – während man in Europa noch diskutiert.

Das bedeutet, wir erleben hier nicht nur Augenwischerei?

Nein, im Gegenteil. Betrachtet man die Regulierung der USA bis vor kurzem, dann sind das äußerst harte Ansätze. Das ist aber auch sehr typisch für Amerika. Das Pendel schlägt nun in gleichem Maße in die entgegengesetzte Richtung aus. Und man sollte auch nicht vergessen, dass der Druck in Amerika ungleich größer ist, weil man hier über Jahre nicht gehandelt hat.

Gibt es Punkte, die die USA aus Ihrer Sicht offenlassen?

Sicherlich gibt es auch einige Enttäuschungen. Ich hätte erwartet, dass man weitaus stärker auf das Thema falsche Anreizsysteme und damit verbundene Risiken im Finanzsystem eingeht. Hierzu findet sich in der Tat wenig, dabei war das eine der Hauptursachen für die Finanzkrise. Auch die Zersplitterung der Aufsicht wird letztlich nicht angegangen. Hinzu kommt, dass die Notenbank stark aufgewertet wird, was im Endeffekt die Kette aus Fiskalpolitik des Staates, Geldpolitik der Notenbank und Geschäftspolitik der Banken noch enger schnürt. Ich halte diesen wachsenden Staatseinfluss auf das ganze System für bedenklich.

Hermann Wagner ist Professor für Financial Management an der Frankfurt School of Finance.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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