Interview zur G8
China drängt nicht in den „Club der Reichen“

Solange die G8 ein„ Club der Reichen“ bleibe, müsse China dem Bündnis nicht beitreten, sagt Shen Jiru, Experte für Außenpolitik an der Akademie für Sozialwissenschaften in Peking, im Interview mit dem Handelsblatt. Generell sei zwar auch er für eine engere Kooperation innerhalb der Völkergemeinschaft, fodert aber mehr Gespür für kulturelle Unterschiede.

Handelsblatt: Wie wichtig ist das G8-Treffen für China?

Shen Jiru: China möchte mit der G8 über etliche Temen diskutieren. Aber es braucht viel Vertrauen und Verständnis, um gemeinsam etwas zu erreichen. Beim Klimaschutz oder sauberer Energie, Themen die Chinas Regierungschef Wen Jiabao beim jüngsten Volkskongress angesprochen hatte und die nun auch Themen des G8-Gipfels sind, muss man zusammenarbeiten. Die USA und Deutschland allein können das nicht schaffen. Eine Kooperation hilft der ganzen Welt, China arbeitet daran aktiv mit.

Was sollte die G8-Gruppe anders machen?

Jetzt können schon eine Handvoll Entwicklungsländer dabei sein, dadurch hat die G8-Runde eine breitere Grundlage bekommen. Diese Richtung stimmt. Nachteil ist aber, dass die eigenen Wertevorstellungen stark betont und Länder mit einer anderen Sichtweise diskriminiert werden. Zum Beispiel wird Russland kritisiert, dass es nicht demokratsich genug sei, nicht an allen G8-Gesprächen teilnehmen. Solange sich die G8 so verhält, wird es sehr schwer, die Runde zu vergößern. China, Indien, Brasilien Südafrika oder Ägypten sind sehr unterschiedlich, alle Kulturen sollten respektiert werden. Wir können voneinander lernen und die Welt stellt uns alle vor gleiche Herausforderungen, wie man ja beim Thema Klimaschutz sieht. Wir haben gleiche Interessen und sitzen alle in einem Boot.

Sollte China festes Mitglied werden – sind Sie für eine G9-Runde?

Es geht nicht nur um China. Indien, Südafrika, Brasilien, Ägypten – alle sollten Mitglied werden. Ex-Bundeskanzler Schröder war dafür, auch die Franzosen. Nun ist die Angela Merkel dagegen. Das zeigt: Die G8 hat noch keine gemeinsame Strategie in diesem Punkt. Die Runde ist ein Club der Reichen. Würden auch die Entwicklungsländer teilnehmen, würde es zu einem Forum der großen Länder mit Einfluss, nicht nur ein Treff der Industriestaaten. Denkbar ist ein G12, G14 – bis zu einer vorbereitenden Plattform für die Vereinten Nationen. Aber wenn wie bei Russland von Beginn an schlechte Stimmung gegen Neulinge herrscht, möchten Länder wie China nicht unbedingt Mitglied werden.

Klimawandel, Afrikapolitik, Menschenrechte – China geht seinen eigenen Weg. Ist die Volksrepublik weit genug, um beim G8 ernsthaft mitarbeiten zu können?

Jedes G8-Land hat eine enge Beziehung zu China. Nur mit Japan gibt es politische Probleme, aber wirtschaftlich sind die Verbindungen eng. China arbeitet bei den G8-Runden aktiv mit, drängt sich aber nicht auf. Über Fragen der Menschenrechte und regionale Konflikte haben wir unsere unabhängigen Standpunkte. Gleichzeitig denken wir global. Europa und die USA geben ja zu, dass sich Menschenrechte und Demokratie in China verbessert haben.

Interview: Andreas Hoffbauer

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