Irak-Geiseln
„Wir hatten eine schwere Zeit“

„Wir sind sehr froh, noch am Leben zu sein. Das ist nicht selbstverständlich.“ Diese Worte, die die freigelassene Irak-Geisel Thomas Nitzschke nach ihrer Landung in Deutschland an die Öffentlichkeit richtete, lassen erahnen, was er und sein Kollege Rene Bräunlich in 99 Tagen durchgemacht haben.

HB BERLIN. Die beiden Ingenieure, die in einer Kleinstadt bei und in einem Vorort von Leipzig leben, landeten an Bord eines kleinen Düsenflugzeugs am Mittwoch gegen 14.15 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Gegen 14.21 wurde die Tür geöffnet, wenige Minuten später folgten die Ex-Geiseln dem Leiter des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, Reinhard Silberberg, durch die Tür und die Gangway hinunter. Alle drei traten auf einen wahren Wald von Mikrofonen zu, die die zahlreich erschienenen Pressevertreter aufgebaut hatten.

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Nitzschke und Bräunlich, die dunkle, für die sommerlichen Temperaturen wohl zu warme Jacken trugen, wirkten erleichtert und froh, aber auch gezeichnet von den Strapazen der dreimonatigen Gefangenschaft. Ihre Vollbärte, die ihnen - wie es das letzte Entführervideo von Ende März gezeigt hatte - während der Geiselhaft gewachsen waren, hatten sie abrasiert.

Als erster sprach Krisenstab-Chef Silberberg; er dankte allen Beteiligten für die Unterstützung bei den Bemühungen um die Freilassungen der beiden. Dann ergriff Bräunlich das Wort, der kleinere der beiden Männer. Er sagte: „Ich bin sehr froh, wieder daheim zu sein. Mir fehlen die Worte. Wir hatten eine schwere Zeit.“ Es schien, als habe Bräunlich dabei Tränen in den Augen. Sein Kollege Nitzschke dankte seiner Familie, „die ganz stark war und hinter mir gestanden hat. Wir sind sehr froh, noch am Leben zu sein. Das ist nicht selbstverständlich. Wir wollen nun unsere Familien wiedersehen, um uns zu vergewissern, dass es auch ihnen gut geht.“

Beide dankten ausdrücklich dem Auswärtigen Amt und der Botschaft in Bagdad für die Hilfe. Zu den Umständen ihrer Freilassung machten beide keinerlei Angaben. Zum Schluss sprach noch einmal Silberberg. Er bat die Presse darum, den Freigelassenen die nötige Ruhe zu gönnen, die sie jetzt dringend brauchten. Nach wenigen Minuten wandten sich die drei ab. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit sollten sie danach ihre Angehörigen und Freunde wiedersehen.

Bräunlich und Nitzschke dürften an einem dritten Ort erst einmal mit ihren Familien abgeschirmt ein paar Tage zusammenbleiben. Obwohl sie körperlich unversehrt in die Freiheit zurückkehrten, gelten sie als erschöpft. Üblich in solchen Fällen sind auch Befragungen durch die Sicherheitsbehörden.

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