Irak
Tücken im Kampf gegen den IS

Früher hieß es Kollateralschaden: Ein Luftangriff auf die vom IS kontrollierte Stadt Al-Kaim tötete und verletzte offenbar Dutzende Zivilisten. Auf Mossul sieht die Uno bei der Offensive ein weiteres Problem zukommen.
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Bagdad/GenfBei einem Luftangriff auf die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte irakische Stadt Al-Kaim sind nach Angaben von Parlamentspräsident Salim Dschuburi am Mittwochnachmittag dutzende Zivilisten getötet oder verletzt worden. Bei dem Angriff sei ein belebter Markt der Stadt getroffen worden, erklärte Dschuburi und forderte eine sofortige Untersuchung. Er mache die Regierung "für derartige Irrtümer" verantwortlich, fügte der Parlamentspräsident hinzu.

Vertreter der westirakischen Provinz Anbar, in der Al-Kaim liegt, sprachen von Dutzenden Toten. Aus der Stadt selbst war jedoch zunächst niemand zu erreichen, der die Zahlen hätte bestätigen können. Sollten die Angaben zutreffen, wäre es der tödlichste irrtümliche Angriff seit Beginn der Luftoffensive gegen den IS im Jahr 2014. Al-Kaim liegt rund 320 Kilometer westlich von Bagdad nahe der syrischen Grenze. Sie ist die letzte größere Stadt in der Provinz Anbar, die noch unter Kontrolle des IS steht.

Unklar war zunächst, wer hinter dem Angriff stand. Der Sprecher des Provinzrats, Eid Ammasch, machte die irakische Luftwaffe dafür verantwortlich. Nach seinen Angaben war der Markt zu dem Zeitpunkt am Nachmittag voller Menschen: "Rentner standen für ihre Rente an, andere wollten ihre Gehälter oder Sozialhilfen abholen", sagte Ammasch. "Ganze Familien wurden ausgelöscht", fügte er hinzu.

Ein Stammesführer aus der nahegelegenen Stadt Haditha hingegen sagte, der Angriff sei von der US-geführten Koalition geführt worden. Er sprach von 70 bis 80 Toten. Der Sprecher der internationalen Koalition, John Dorrian, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Koalition habe zu dem Zeitpunkt keine Luftangriffe vorgenommen. Die irakische Regierung und die Armee hatten ihrerseits zuvor von keinen Luftangriffen in der Region berichtet.

Kein Platz für Flüchtlingslager vor Mossul

Auch im Norden des Irak drohen humanitäre Katastrophen: Die Vereinten Nationen haben nahe der umkämpften irakischen Stadt Mossul zu wenig Platz, um weitere Flüchtlingslager zu errichten.

In den Camps könnten zwar 180.000 Menschen untergebracht werden, nicht aber die geschätzten 700.000, sagte der Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks im Irak, Bruno Geddo, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Grund für den Platzmangel sei, dass viele noch nicht explodierte Bomben und andere Kriegstrümmer im Boden lagerten. In anderen Gegenden seien Massengräber.

Zudem sagte Geddo, viele andere Iraker der Region wollten keine Bewohner Mossuls aufnehmen, weil diese mehrheitlich sunnitische Muslime seien. Nach Schätzungen der Unp leben noch rund eine Millionen Menschen in der Stadt, die die irakische Armee gemeinsam mit Milizen von der Terrorgruppe Islamischer Staat zurückerobern will. Geddo sagte, seit Beginn der Offensive am 17. Oktober seien 82.000 Menschen geflohen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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