Irak
Vorwürfe gegen Firma der Entführten

Nach der Entführung zweier deutscher Mitarbeiter einer sächsischen Anlagenbaufirma muss sich das Unternehmen von der Bundesregierung Vorwürfe anhören, es habe leichtsinnig gehandelt. Bisher ist es noch nicht gelungen, Kontakt zu den Entführern der beiden aufzunehmen.

HB BERLIN/LEIPZIG. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte am Mittwoch dem Hörfunksender MDR INFO, das Auswärtige Amt habe immer wieder sehr ernste Reisewarnungen gegeben. „Es liegt eine hohe Verantwortung bei denen, die diese zwei Techniker da hingeschickt haben und sie ohne Schutz dort haben arbeiten lassen“, so Erler.

Gleichzeitig betonte der Staatsminister, die Bundesregierung sei verpflichtet, entführte Deutsche zu befreien. „Es ist eindeutig so, dass eine Hilfsverpflichtung des Staates besteht, unabhängig davon, ob eine Person Fehler gemacht oder sich leichtsinnig verhalten hat. Erst in zweiter Linie kann die Frage gestellt werden, wo die eigene Mitverantwortung liegt.

Der Geschäftsführer der Anlagenbaufirma Cryotec aus der Gemeinde Bennewitz östlich von Leipzig, Peter Bienert, sprach den Angehörigen seiner Mitarbeiter sein Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken sind bei unseren Mitarbeitern und deren Angehörigen“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Mittwoch. Um die Arbeit des Krisenstabs nicht zu gefährden, werde das Unternehmen der Öffentlichkeit keine weiteren Informationen geben.

Das jetzige Projekt im Irak stammt laut Cryotec aus einem Auftrag von 2005 und betrifft eine Anlage zur Erzeugung von Stickstoff in einer Raffinerie in Baidschi. „Den Probelauf der Anlage und die Schulung der irakischen Ingenieure führten wir wegen der schwierigen Bedingungen im Irak in Bennewitz durch“, sagte Bienert. Die zwei Mitarbeiter sollten nun vor Ort die Anlage übergeben. Zur Kritik der Bundesregierung wollte sich Bienert nicht äußern.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, bisher sei es der Bundesregierung nicht gelungen, Kontakt mit den Entführern aufzunehmen oder ein Lebenszeichen der Geiseln zu erhalten. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes habe am Vormittag erneut getagt. Zugleich bat Steinmeier die Medien um eine zurückhaltende Berichterstattung über den Fall. Nach der Entführung der Archäologin Susanne Osthoff im Irak hatte die Bundesregierung tagelang behauptet, sie habe keinen Kontakt zu den Kidnappern. Später stellte sich heraus, dass diese nicht stimmte.

Die beiden Männer waren am Dienstagmorgen in der Industriestadt Baidschi im berüchtigten sunnitischen Dreieck im Irak verschleppt worden. Die Entführten sind nach Medienberichten 28 und 31 Jahre alt und stammen aus den Kleinstädten Rackwitz und Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig.

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