Irakische Dörfer durchgekämmt
US-Truppen verstärken Jagd auf Saddam

Die US-Truppen im Irak haben am Mittwoch ihre Fahndung nach Saddam Hussein fortgesetzt, nachdem dieser angeblich auf einem Tonband Rache für den Tod seiner Söhne Udai und Kusai geschworen hatte.

Reuters BAGDAD/WASHINGTON. Die Soldaten durchkämmten erneut die Dörfer um Tikrit, der Heimatstadt des gestürzten irakischen Präsidenten. Ob Saddam tot oder lebendig von seinen Verfolgern gefasst wird, hängt nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vor allem vom Ausmaß seiner Gegenwehr bei einer möglichen Festnahme ab. Die letztendliche Entscheidung werde dann aber von den beteiligten Offizieren vor Ort getroffen.

Generalleutnant Norton Schwartz sagte in Washington am Dienstag, dass bei der Jagd nach Saddam die Quellen der US-Militärs immer besser würden. Dabei kämen die Hinweise sowohl von Personen, die schon in US-Haft seien, als auch von anderen. Die Streitkräfte, die von der Spezialeinheit 20 unterstützt werden, gingen allen Hinweisen nach. Es werde angenommen, dass Saddam etwa alle drei bis vier Stunden ein neues Versteck aufsucht. Die USA haben eine Belohnung von 25 Mill. Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung Saddams führen.

Die Entscheidung darüber, wie Saddam gefasst wird, sei von ihm selbst sowie dem zuständigen Kommandanten vor Ort abhängig, erklärte Schwartz weiter. „Das ist eine Frage der Taktik“, fügte er hinzu. „Es ist ein komplexes Thema. Es hat mit dem Charakter des Ziels zu tun. Es hängt von den Umständen ab...Und angesichts all dieser Überlegungen, wird der Offizier vor Ort die Entscheidung über Gefangennahme oder Tötung treffen.“

Lawrence Di Rita, Assistent bei Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sagte, er wisse nichts von Diskussionen zwischen Rumsfeld und den US-Offizieren im Irak darüber, ob die USA Saddam lieber lebend oder tot fassen wollten. Falls Saddam lebend gefasst wird, könne er vor Gericht gestellt werden. Die USA könnten ihn zudem auch über Verstecke von Massenvernichtungswaffen befragen.

Unterdessen strahlte der arabische Sender „El Arabija“ ein neues Tonband aus, auf dem Saddams Stimme zu hören sein soll. Ob es echt ist, ist noch nicht klar. In den vergangenen Wochen sind mindestens vier solcher Bänder aufgetaucht, von denen laut CIA mindestens eines echt sein soll. Ein Reuters-Korrespondent sagte, die Stimme auf dem jüngsten Band klinge wie die Saddams. Ein Sprecher des Präsidialamts erklärte dagegen, der Geheimdienst analysiere das Band noch.

„Sie starben alle als Märtyrer im Namen des Heiligen Krieges“, ist auf dem jüngsten Band zu hören. „Wenn Saddam Hussein 100 Söhne hätte, dann würde er sie alle auf den Weg bringen, der der Weg des Dschihad (Heiliger Krieg) ist.“ Und weiter ist zu hören: „Amerika wird besiegt werden.“ Die beiden Söhne Saddams waren vergangene Woche nach US-Angaben in Mossul im Nordirak getötet worden, ihre Leichen wurden später in Bagdad den Medien gezeigt. Der Informant, der den US-Militärs den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort der beiden einst gefürchteten Brüder gegeben hatte, wird laut US-Angaben die ausgesetzte Belohnung von zusammen 30 Mill. Dollar auch bekommen.

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