Iran
Frauen an die Macht

Frauen machen 50 Prozent der iranischen Bevölkerung aus und sind zum Teil besser ausgebildet als die Männer. Aber die politische Szene dominierten immer noch die Männer. Das wollen die Frauen bei der kommenden Wahl ändern.

TeheranBei der ersten Wahlveranstaltung der Reformer in Teheran betreten die 30 chancenreichsten Kandidaten für die Parlamentswahl die Bühne. Unter ihnen sind nur zwei Mullahs, dafür aber gleich acht Frauen. Sie werden von den weiblichen Zuschauern auf den Rängen frenetisch gefeiert. Die acht Frauen haben eine schwierige Mission, stellen sich ihr aber sehr selbstbewusst.

Schon nach der Registrierung der Kandidaten hat das Innenministerium der von islamischen Geistlichen beherrschten Republik mitgeteilt, dass 586 Frauen an der Parlamentswahl am 26. Februar teilnehmen. Diese Zahl ist einmalig in der jüngeren Geschichte. Auslöser war die neue liberale Ära unter Präsident Hassan Ruhani. Der sagte auch, dass die Frauen 50 Prozent der Bevölkerung bilden und dementsprechend auch vertreten sein sollten. Das ließen sich viele nicht zweimal sagen.

„Das ist keine Wahlkampftaktik (Ruhanis), sondern das Ergebnis des couragierten Auftretens der Frauen in den letzten Jahren“, sagt etwa Fatemeh Husseini, eine der Kandidatinnen für die wichtigen Sitze der Hauptstadt Teheran. Frauen könne man nicht mehr ignorieren. Das haben angeblich nicht nur die Reformer begriffen, sondern auch die Hardliner. Auch auf ihrer Teheran-Liste stehen sechs Frauen und nur vier Mullahs.

Aber können sich Frauen in einem islamischen Land ernsthaft durchsetzen? „Die Frauen, die diesmal bei der Wahl antreten, haben schon in viel härteren Zeiten für ihre Ideale gekämpft und sie teilweise auch verwirklicht“, sagt Frauenrechtlerin Sohejla Dschelodarsadeh, eine weitere Kandidatin der Reformer. Nach ihrer Einschätzung könnten sie im Parlament diesen Kampf nicht nur effektiver fortsetzen, sondern „auch altmodische Einstellungen im Zusammenhang mit der Rolle der Frauen ändern“.

Sicherlich kann auch Ruhani als islamischer Kleriker den Frauen nicht gleiche Rechte gewähren, aber an den Klischees von Frauen in der islamischen Welt wolle er auch nicht mehr festhalten. „Wir vertreten zwar keine feministischen Ansichten, aber auch keine aus der Steinzeit“, sagte er kürzlich auf einer Frauenkonferenz. Außerdem habe er nicht vergessen, dass auch die Frauenstimmen ihm zu seinem überraschend klaren Wahlsieg 2013 verholfen haben.  

Ruhani will den Iran weltoffener präsentieren. Aber solange die Frauen vom iranischen Gesetz weiterhin so diskriminiert werden, kann der Präsident diese Vision nicht umsetzen. Das sieht auch Vizepräsidentin Schahindocht Molawerdi so. Ihrer Einschätzung nach könnte diese Diskriminierung für eine moderne Gesellschaft sogar gefährliche Folgen haben.

Aber in den vergangenen Jahren hat sich Einiges getan. Nach Angaben von drei iranischen Anwältinnen habe sich besonders beim Scheidungs- und Sorgerecht, sowie der Chancengleichheit bei der akademischen Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt vieles verbessert.

Der Weg bis zu mehr Gleichberechtigung ist zwar lang, aber für die Kandidatinnen der Reformer nicht aussichtslos. Aber alles sollte schrittweise umgesetzt werden. Zunächst wollen sie mit einem Sieg der Reformer in der Parlamentswahl langfristig Ruhanis neue politische Ära absichern. Darüber hinaus hoffen sie – anstatt der derzeitigen 9 – 30 der 290 Sitze zu ergattern. 

Da die Parlamentswahl drei Wochen vor Frühlingsanfang und dem persischen Neujahr stattfindet, assoziierte sie der Reformer Mustafa Kowakabian mit dem im Iran beliebten Frühjahrsputz. Nach zwölf Jahren Dominanz der Konservativen und Hardliner wäre seiner Meinung nach im Parlament „viel auszumisten“. Besonders die Frauen wissen, wie das geht. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass wenn Frauen im Iran was wollen, dann tun sie das auch“, kommentierte Dschelodarsadeh den Vorschlag.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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