Iran
Studenten demonstrieren gegen Regierung

Sicherheitskräfte sind am Jahrestag der Ermordung dreier Studenten in der Schah-Ära mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Ausländische Journalisten dürfen über die Kundgebungen nicht berichten, die Behörden haben zudem eine reformorientiere Zeitung geschlossen.
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DUBAI. Die Polizei im Zentrum der iranischen Hauptstadt Teheran ist am Montag gegen Demonstranten vorgegangen. Nach Angaben verschiedener Websites der Opposition setzten die Sicherheitskräfte Schlagstöcke und Tränengas gegen mehrere Tausend Protestler ein. Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi übte scharfe Kritik an der Regierung. "Ihr bekämpft das Volk auf den Straßen, aber in den Augen der Menschen verliert Ihr immer mehr Eure Würde", sagte Mussawi auf der Website Kaleme.com. "Selbst wenn Ihr alle Universitäten zum Schweigen bringt, was macht Ihr mit der Gesellschaft?"

Zuvor hatte die Polizei eine strenge Medienzensur verhängt. Ausländische Journalisten wurde die direkte Berichterstattung über Kundgebungen verboten; der Internetzugang wurde eingeschränkt oder ganz blockiert, eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Opposition. Zudem haben die Behörden eine weitere reformorientierte Tageszeitung geschlossen. Die der Opposition nahestehende Zeitung "Hayat'e No" sei wegen Verstößen gegen das Pressegesetz geschlossen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.

Kundgebung am 27. Dezember

Iran beging am Montag den Jahrestag des gewaltsamen Todes dreier Studenten in der Schah-Ära im Jahr 1953. Experten werteten die Demonstration als "psychologische Rückenstärkung" für die Reformkräfte. "Die Opposition zeigt, dass sie noch am Leben ist", sagte ein Beobachter der Region. Die relativ geringe Zahl der Teilnehmer an den Kundgebungen liege daran, dass viele Menschen Angst vor Festnahmen und gewaltsamen Aktionen der Ordnungskräfte hätten. Die nächsten Kundgebungen fänden wohl zum Ashura-Fest am 27. Dezember statt.

Die gestrigen Zusammenstöße ereigneten sich am Ferdowski-Platz. Nach Angaben des arabischen TV-Senders Al-Arabiya gingen Polizisten mit Tränengas gegen Widerständler vor. Mehrere Studenten seien vor der Shahid-Behesti-Universität verhaftet worden. Auch auf dem Vali-Asr-Platz kam es zu Zusammenstößen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Mindestens 1800 junge Menschen wurden in den Volksaufständen, die seit Juni laufend, inhaftiert und sind immer noch in den Gefängnissen unter schwere Folterungen.
    in diesem Jahr sind Millionen Menschen im iran nach über 30 Jahren der Unterdrückung und Hinrichtungen, im Juni aufgestanden, um zu zeigen, dass sie diese Unterdrückungen nicht länger akzeptieren.
    Trotz der brutalen Repressalien, Folterung und Hinrichtungen wurden die Proteste und Demonstrationen fortgeführt. Mutige Mädchen und Frauen, mit großer Liebe zum Leben, haben dabei ihr eigenes Leben geopfert, um den iran aus dem Joch der Diktatur zu befreien. Dadurch weigerten sie sich dem beschämenden religiösen Faschismus nachzugeben. Sie opferten ihr Leben in der Hoffnung, das eines Tages die Demokratie im iran blühen würde.
    in diesen Tagen haben wir viele junge Menschen, wie Neda, Kianoosh, Sohrab, Taraneh, . . . verloren, und zur Zeit befinden sich auch viele andere in Lebensgefahr.
    Es wird Zeit, dass wir den Ruf von Millionen iranern erwidern und ihnen eine helfende Hand geben, da sie für Freiheit und Demokratie in ihrem Heimatland kämpfen und für Stabilität und Frieden in ihrer Region.

    Der VHZ e.V. ruft alle internationalen Menschenrechtsorganisationen, vor allem den Hohen Kommissar der UN für Menschenrechte, die Zunahme der Todesstrafen, insbesondere die Todesurteile für Minderjährige und brutale Unterdrückung der Studenten zu verurteilen und umgehend Maßnahmen zur befreiung aller inhaftierten Demonstranten im iran zu ergreifen. Und wir fordern die Übergabe der Akte über die grausamen Menschenrechtsverletzungen im iran an den UN Sicherheitsrat zur Ergreifung von dringlichen und bindenden Maßnahmen, um diesen Trend zu stoppen.

    VHZ e.V.

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