Iran vor der Wahl
„Die Zeit der Zungenabschneider ist vorbei“

PremiumAnnäherung oder Konfrontation? Öffnung oder Gottesstaat? Iran entscheidet bei der Präsidentschaftswahl über seinen Kurs. Reform-Präsident Ruhani tritt wieder an – doch er hat den mächtigsten Mann im Staat gegen sich.

TeheranDie Zuhörer in Orumiyeh, einer verschlafenen Provinzstadt im Nordwesten Irans, sind plötzlich hellwach. „Hat er das wirklich gesagt?“, fragt einer. „Kann das sein?“ Auf der Bühne steht Hassan Ruhani, seit vier Jahren Präsident Irans. Und soeben hat er ein Tabu gebrochen. „Die Zeit derer, die anderen die Zunge herausgeschnitten haben, ist vorbei“, sagte der 68-Jährige mit dem weißen Turban eines islamischen Geistlichen.

Der Reformer Ruhani hat es gewagt, eine rote Linie zu überschreiten. Denn wem seine drastischen Worte galten, war allen klar: Ebrahim Raeissi, erzkonservativer Kleriker, Hüter des Heiligen Schreins der Schiiten in Maschad und Chef der milliardenschweren islamischen...

 
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