Irans Kernkraft
Teheran und Moskau liegen im Clinch

Das iranische Kernkraftwerk Buschehr geht erst 2010 ans Netz, verkündet der russische Energieminister. Es gebe noch offene Sicherheitsfragen an der aus Moskau zugelieferten Technik. Der Iran bezeichnet die Verzögerungen als „künstlich“ – ein heftiger Streit um das Prestigeprojekt bahnt sich an.
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HB MOSKAU/TEHERAN. Um das erste iranische Atomkraftwerk in Buschehr ist ein heftiger Streit zwischen Moskau und Teheran entbrannt. Ein Parlamentssprecher in Teheran warf Russland vor, die Inbetriebnahme immer wieder künstlich herauszuzögern und ein böses Spiel zu treiben. Bei der Fertigstellung der mit Unterstützung Moskaus gebauten Anlage war es zuletzt immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Der russische Energieminister Sergej Schmatko hatte zuvor gesagt, der Reaktor am Persischen Golf könne erst im kommenden Jahr auf volle Leistung hochgefahren werden. Grund seien technische Probleme, sagte Schmatko am Montag nach Angaben der Agentur Interfax.

Der Iran reagierte empört. Russland folge beim Bau des Atomkraftwerks „nur seinen eigenen Interessen“ und werde die Anlage wohl nie fertigstellen, sagte der Sprecher des Ausschusses für Außenpolitik und Sicherheit in Teheran der Agentur ISNA. Moskau hat für die Anlage atomaren Brennstoff geliefert, die Inbetriebnahme aber schon mehrfach verschoben. Laut Schmatko muss Buschehr garantiert betriebssicher sein. Dies sei 2009 nicht mehr zu schaffen, sagte er.

Moskau warnt mit anderen Mitgliedern im Uno-Sicherheitsrat den Iran vor dem Bau von Atomwaffen. Die internationale Gemeinschaft fürchtet, dass die Führung in Teheran die Urananreicherung zu einer solchen Produktion missbrauchen könnte. Der Iran bestreitet dies jedoch. Die Beziehungen zwischen Russland und dem Iran gelten auch wegen eines umstrittenen Waffengeschäfts als gespannt. Moskau weigert sich derzeit im Bemühen um ein ausgeglichenes Verhältnis mit dem Westen, mehrere S-300-Luftabwehrraketen an Teheran zu liefern. Ein ranghoher iranischer Militär sagte der Zeitung „Wedomosti“, Teheran lasse sich dies „nicht gefallen“. Der eine Milliarde US-Dollar schwere Vertrag war nach Presseangaben 2007 geschlossen worden.

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