IS-Terror
Angst vor Anschlägen auf Schiiten im Irak

Trotz der Bedrohung durch die sunnitische IS-Miliz im Irak pilgern Millionen Schiiten zum Aschura-Fest nach Kerbela. Aus Angst vor Anschlägen sind Zehntausende Soldaten und Polizisten im Einsatz.
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KobaneAus Furcht vor einer neuen Anschlagswelle sunnitischer Extremisten am wichtigsten Feiertag der Schiiten hat der Irak die Sicherheitsmaßnahmen massiv erhöht. Mehr als 33 000 Sicherheitskräfte sollen an diesem Dienstag die Millionen Pilger schützen, die zum Aschura-Fest in der Stadt Kerbela, südlich von Bagdad, erwartet werden.

Landesweit gehen die Kämpfe gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weiter. Nach Informationen der „New York Times“ planen Iraks Sicherheitskräfte gemeinsam mit dem von den USA angeführten Bündnis für das Frühjahr 2015 eine Großoffensive. Bis Ende des nächsten Jahres soll die Terrormiliz demnach aus den von ihr eroberten Städten im Norden und Westen des Landes vertrieben werden.

Wichtige Straßen und Grenzübergänge sollten dann wieder unter Kontrolle der irakischen Regierung sein. Unklar bleibt dem Bericht zufolge das Vorgehen gegen den IS in Syrien und ob die gemäßigte syrische Opposition bis dahin militärisch ausreichend ausgebildet ist, um sich den Dschihadisten ebenfalls effektiv entgegenzustellen.

Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene Terrororganisation beherrscht große Gebiete im Norden und Osten Syriens sowie im Norden und Westen des Iraks - unter anderem die irakische Millionenstadt Mossul. Während insbesondere die irakische Armee, schiitische Milizen und kurdische Kämpfer gegen den IS am Boden vorgehen, fliegt das US-geführte Bündnis täglich Luftangriffe.

An diesem Dienstag gedenken Schiiten aus aller Welt insbesondere an der Grabmoschee in Kerbela ihres Märtyrers Imam Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. Bereits in den vergangenen Jahren nahmen sunnitische Fanatiker dies zum Anlass, Anschläge zu verüben. Hussein starb 680 nahe der zentralirakischen Stadt in einer Schlacht, die die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten endgültig besiegelte.

In der zu großen Teilen vom IS eroberten westirakischen Provinz Anbar werden nach der Tötung von rund 200 Mitgliedern eines sunnitischen Stammes durch Dschihadisten Rufe nach einer Aufrüstung der Stämme laut. Ein Vertreter im Provinzrat, Suhaib al-Rawi, erklärte, die Bewohner bräuchten deutlich mehr Waffen, um sich gegen die Dschihadisten verteidigen zu können.

IS-Kämpfer hatten nach Angaben einer irakischen Sicherheitsbeamtin im Westen des Landes innerhalb von drei Tagen zahlreiche Mitglieder des Al-Bu-Nimr-Stammes - darunter auch Kinder - umgebracht. Angehörige des Stammes sollen an der Seite schiitischer irakischer Soldaten gegen den IS gekämpft haben. Andere sunnitische Stämme kämpfen im Irak hingegen auf der Seite der Extremisten.

In der nordsyrischen Grenzstadt Kobane melden kurdische Aktivisten nach Ankunft erster Peschmerga-Soldaten aus dem Nordirak Fortschritte im Kampf gegen die Extremisten. Idriss Nassan, ein Sprecher der kurdischen Verteidiger Kobanes, sagte der dpa, dass die Lage der Kurden deutlich besser geworden sei. Die Kämpfer versuchten nun, die Versorgungswege der Dschihadisten in der Ortschaft nahe der Grenze zur Türkei zu kappen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „Warum nur die IS? – Wir sollten die gesamte islamische Welt bombardieren! – Man könnte humanitäre Argumente benutzen, um den gesamten Mittleren Osten flach zu machen.“ Unter dieser Überschrift zählt der britische Journalist des GUARDIAN George Monbiot schonungslos Verbrechen an der Menschlichkeit auf, die von allen Parteien im Mittleren Osten begangen wurden und werden. Dazu gehören auch die von Staaten einschließlich Saudi Arabiens, Israels und dem Iran.
    Die Wirklichkeit sieht anders aus. „Die Guten“ bombardieren „die Bösen“. Die Sprache des vorliegenden Artikels entlarvt die Heuchelei im Westen. Wer ein Terrorist ist, entscheidet die Interessenlage. In diesem Sinne ist „Terrorist“ eine Konstruktion. Es galt einmal folgender Satz: Des einen Terroristen, des anderen Freiheitskämpfer. Wenn der Westen seine Wahrnehmung des Konflikts sprachlich (und damit inhaltlich) anders konstruieren würde, wäre Hard Power nicht mehr die einzige Alternative, sondern Soft Power hätte eine Chance. Hier ist die Erklärung dazu.
    http://www.kamus-quantum.com/11.html

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