Islamisten-Gruppe bekennt sich
Viele Tote bei Anschlagsserie in Ägypten

Bei einer Serie von Anschlägen in ägyptischen Ferienorten an der Grenze zu Israel sind mindestens 31 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigt, da nach israelischen Angaben am Mittag noch 38 Menschen vermisst wurden.

HB TABA. Israels Vize-Verteidigungsminister Seew Boim zufolge trugen die Anschläge die Handschrift der Extremisten-Organisation Al-Kaida. Nach vorläufigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amts in Berlin waren keine Deutschen unter den Opfern. Dennoch werde eine Anpassung des Sicherheitshinweises überprüft. Dem Reiseanbieter Tui zufolge wird die Region, in der die Anschläge stattfanden, fast ausschließlich von Israelis besucht. Unter den Toten seien mindestens 19 israelische Staatsbürger, berichtete eine Zeitung. Insgesamt stieg die Zahl der Getöteten bis zum frühen Nachmittag Radioberichten zufolge auf 31. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach den Opfern am Freitag sein Mitgefühl aus, mahnte aber auch, am internationalen Friedensplan als Weg zur Beilegung des Konflikts im Nahen Osten festzuhalten.

Zunächst wurde am Donnerstagabend das Hilton-Hotel im Badeort Taba auf der Sinai-Halbinsel von einer schweren Detonation erschüttert. Nach israelischen Angaben fuhr ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen in die Lobby, bevor er detonierte. Zehn Stockwerke stürzten ein, und das Gebäude fing Feuer. Kurz darauf gab es fast zeitgleich zwei Explosionen in den nahe gelegenen Orten Nuweiba und Ras al-Sultan. Die Anschläge ereigneten sich zum Ende des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot, das Tausende Israelis zu einem Urlaub am Roten Meer nutzten. Das Fest wird anlässlich der Obst- und Weinernte gefeiert und erinnert an das Leben in den Hütten während der Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten.

Unter den Trümmern im Hilton unmittelbar an der Grenze zu Israel, in dem 2001 die gescheiterten Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern stattgefunden hatten, wurden weitere Tote vermutet. „Die Tore zur Hölle haben sich plötzlich aufgetan“, sagte ein israelischer Augenzeuge. Ein anderer berichtete: „Viele Leute liegen auf dem Boden, überall ist Blut, überall Schreie.“ Viele Verletzte strömten über die Grenze nach Israel, wo Krankenwagen und Rettungshubschrauber warteten. Über die Anschläge in Nuweiba und Ras al-Sultan wurden zunächst nur wenige Einzelheiten bekannt.

Boim sagte: „Dies ist nicht die Art von Anschlägen, wie wir sie von palästinensischen Terror-Organisationen kennen.“ Er vermutete dahinter „internationale Terror-Gruppen wie Al-Kaida“. Zu den Anschlägen bekannte sich eine bisher unbekannte, angeblich der Al-Kaida nahe stehende Gruppe von Moslem- Extremisten namens Islamische Tauhid Brigaden. Die Echtheit der im Internet veröffentlichten Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden.

Israelische Rettungskräfte beklagten eine mangelnde Kooperationsbereitschaft Ägyptens. Die besser ausgestatteten israelischen Kräfte würden nicht an die Trümmer herangelassen, während ägyptische Helfer mit bloßen Händen nach Überlebenden gesucht hätten. „Das ist frustrierend, aber sie haben hier die Souveränität“, sagte ein israelischer Feuerwehrchef. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon dankte seinem Kollegen Husni Mubarak hingegen für die Hilfe Ägyptens bei der Bergung und Versorgung der Opfer. Sie hätten außerdem vereinbart, ihre Anstrengungen und Kräfte zur Terrorbekämpfung zu bündeln, da „der Terrorismus die größte Bedrohung für die freie Welt ist und gemeinsam bekämpft werden muss, wo immer er auftritt“, hieß es in einer Erklärung Scharons.

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