Israel
Scharon kritisiert Siedler-Ausschreitungen scharf

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon will die Proteste ultra-konservativer Juden gegen den geplanten Abzug aus dem Gaza-Streifen nicht länger dulden. Das „wilde Verhalten“ sei eine Gefahr für die israelische Demokratie.

HB JERUSALEM. Am Vortag hatten zehntausende Israelis gegen den Abzug aus dem Gaza-Streifen demonstriert und am Wochenende hatte es Rangeleien zwischen jüdischen Siedlern und Soldaten gegeben, als leer stehende Häuser im Gaza-Streifen abgerissen wurden. Ein junger Soldat wurde am Dienstag vom israelischen Militär zu 56 Tagen Haft verurteilt, weil er sich nicht an der Zerstörung der verlassenen jüdischen Häuser beteiligen wollte.

Scharon plant die Auflösung aller 21 Siedlungen im Gaza-Streifen. Viele Konservative Israelis - darunter auch Mitglieder von Scharons Partei - wollen das nicht hinnehmen. Israels Militär befürchtet, dass es bei den Räumungen zum Aufeinanderprallen von jüdischen Siedlern und israelischen Soldaten kommen könnte.

Der geplante Abzug hat die Israelis gespalten und zu Todesdrohungen gegen Scharon geführt. Nach Angaben israelischer Sicherheitskreise erhielt zudem Armee-Chef Dan Haluz einen Drohbrief, in dem es heiße, wenn ihm seine Familie wichtig sei, solle er Scharons Plänen nicht folgen.

Scharon sagte, die Demonstranten seien Gesetzesbrecher. „Diese Minderheiten stehen nicht für die Mehrzahl der Siedler.“ Die Behörden würden die notwendigen Maßnahmen treffen, um die Aktionen der Ultra-Konservativen zu stoppen. Er bekräftigte, der Abzug sei der beste Weg in eine sichere Zukunft des Landes. Das Ziel eines sicheren jüdischen Staates hänge auch mit dem Ziehen realistischer Grenzen zusammen.

„Es ist offensichtlich, dass wir nicht in jedem Gebiet eine jüdische Mehrheit sicherstellen können“, sagte Scharon unter Verweis auf den Gaza-Streifen und das Westjordanland. Diese Landstriche hatte Israel während des Nahost-Krieges 1967 besetzt. Während der Gaza-Streifen komplett geräumt werden soll, werden im Westjordanland plangemäß wesentliche jüdische Siedlungen bestehen bleiben.

Den 19-jährigen Soldaten Awi Bieber wurde nach Angaben einer Militärsprecherin zu der knapp zweimonatigen Haft wegen Befehlsverweigerung, Bedrohung und Beleidigung eines Vorgesetzten sowie unerlaubter Medieninterviews verurteilt. Biebers Anwalt hatte vor der Urteilsverkündung erklärt, sein Klient werde keinen fairen Prozess erhalten. An ihm werde vielmehr ein Exempel statuiert.

Biebers Einheit hatte am Sonntag gegen den Widerstand konservativer Juden Häuser abgerissen. „Ich bin nicht nach Israel gekommen, um Juden zu verprügeln“, hatte Bieber dabei Reportern zugerufen, während seine Kameraden mit den Konservativen rangelten. Bieber wurde in den USA geboren und war als Junge nach Israel gebracht worden.

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