Italien
Berlusconi-Tochter will Cavaliere nicht beerben

Die als Nachfolgerin für die Spitze der Berlusconi-Partei PdL ins Gespräch gebrachte Marina Berlusconi lehnt den Eintritt in die Politik ab. Sie wolle allen Spekulationen ein Ende bereiten.
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MailandDie rechtspopulistische italienische Partei Volk der Freiheit (PdL) wird aller Voraussicht nach kein Erbhof der Familie Berlusconi. Marina Berlusconi trat am Dienstag Spekulationen über einen Wechsel in die politischen Fußstapfen ihres Vaters Silvio entgegen. „Ich muss einmal mehr und kategorisch unterstreichen, dass ich einen Einstieg in die Politik niemals erwogen habe“, erklärte die Tochter des früheren Ministerpräsidenten. Sie hoffe, damit allen Spekulationen ein Ende bereiten zu können. Sie werde nicht in die Führung der Partei einziehen.

Die 47-Jährige war mehrmals als mögliche Nachfolgerin ihres Vaters an der Spitze der PdL genannt worden. Zu den Medien, die sie auf der Titelseite als Parteichefin handelten, gehörte auch die von ihrem Onkel geleitete Zeitung „Il Giornale“. Die mit einem ehemaligen Tänzer der Mailänder Scala verheiratete Mutter zweier Kinder hatte schon bei früherer Gelegenheit politische Ambitionen bestritten.

Spekulationen über einen Wechsel in die Politik wurden genährt, weil ihrem rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilten Vater ein mehrjähriges Politikverbot droht. Der Oberste Gerichtshof hatte den 76-Jährigen in letzter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt, von denen er ein Jahr verbüßen muss. Entweder steht in einer seiner Villen unter Hausarrest, oder er leistet die Strafe in Form gemeinnütziger Arbeiten ab.

Von der Entscheidung über das Politikverbot für Berlusconi hängt das Schicksal der zerstrittenen Koalition aus der linksliberalen Demokratischen Partei (PD) und der PdL ab. In beiden Parteien gibt es Bestrebungen, das Bündnis aufzukündigen. Die Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta hat es mit der schwersten Rezession seit 1945 und einer hohen Arbeitslosigkeit zu tun.

Berlusconis älteste Tochter leitet Fininvest, die den Medienkonzern Mediaset, das Verlagshaus Mondadori und den Fußballverein AC Mailand kontrolliert. Das Familienimperium wird auf 4,9 Milliarden Euro geschätzt. Für das Magazin „Forbes“ gehört sie zu den mächtigsten Frauen der Welt. Marina Berlusconi wird von Weggefährten als harte und fordernde Unternehmerin beschrieben.

Auch ihr Vater bestritt in den 90er Jahren zunächst politische Ambitionen, trat dann aber doch erfolgreich für das Amt des Ministerpräsidenten an. Im Nachbarland Frankreich ist Marine Le Pen als Nachfolgerin ihres Vaters Jean-Marie Chefin des rechtsextremen Partei Front National geworden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italien: Berlusconi-Tochter will Cavaliere nicht beerben"

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  • Diese fast zwangsläufig "Erbfolge" - nicht nur in diesem Fall, wo sie ausnahmsweise mal vorläufig ausgeschlagen wurde, sondern auch in anderen in anderen Ländern - ist doch überaus interessant, da wir doch in unserer modernen Gesellschaft angeblich über diese mittelalterlichen Gepflogenheiten der Erbfolge hinausgewachsen sind.

    Nach langen Zeiten ohne Eliten-Umbrüche bilden sich eben (auch unter dem Deckmantel angeblicher Demokratie) zumindest Oligarchien-Stränge aus, aus denen dann möglicherweise die einfluchtsreichste "Familie" als Dynastie hervorgeht.

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