Italien
Silvo Berlusconi spielt auf Zeit

Um den Wahlkampf länger vorbereiten zu können, boykottiert Silvio Berlusconi das Parlament. Der Ex-Premier will Montis Haushalt noch nicht zustimmen, um so die Auflösung der Kammern und damit auch die Wahlen verzögern.
  • 1

Mailand„Es wäre besser, die Wahl aufzuschieben“, lässt Silvio Berlusconi die Bombe platzen. Nicht etwa im Parlament, sondern in einer Arena, in der sich besser auskennt: im Fernsehen. Seine Absichten erklärt er dem ihm gesonnenen Moderatoren Bruno Vespa in der Abendsendung „Porta a Porta“. Um die Wahl aufzuschieben blockiert er mit seiner Partei die Verabschiedung des Haushalts.

Eigentlich sollte das Parlament den Haushalt noch diese Woche absegnen. Der Premier Mario Monti wollte dann zurücktreten und so den Weg für Wahlen im Februar freimachen. Die Entscheidung, zurückzutreten, war gefallen, nachdem Berlusconis sein Comeback angekündigt hatte. Monti hatte mit Absicht aufs Tempo gedrückt, um zu verhindern, dass Berlusconi sich noch bis zum Februar im Parlament gegen ihn profilieren kann. Aber da hat Monti seine Rechnung ohne Berlusconi gemacht.

Der setzt jetzt auf eine taktische Verlängerung der Legislatur. Denn: Ein paar Wochen mehr Zeit bedeuten ein paar Wochen mehr Fernsehauftritte für den Kommunikations-Profi. Berlusconi weiß: je öfter er im Fernsehen auftritt – möglichst ohne Gegenrede, umso besser laufen die Umfragen.

Wenn dagegen der Wahlkampf offiziell beginnt, muss sich auch der Medienmann Berlusconi an die „Par Condicio“ halten: eine Regel, nach der alle Kandidaten gleich viel Zeit im Fernsehen bekommen müssen. Kein Wunder, dass er in diesen Tagen durch die Schauen tingelt.

Bei Bruno Vespa kündigt Berlusconi an, Italien werde sich aus dem Euro zurückziehen, wenn Deutschland nicht mitmacht bei der EZB als Bankenaufsicht für alle.

Bei der Moderatorin Barbara D`Urso von der Sonntags-Show Domenica Live auf seinem hauseigenen Canale Cinque hatte er sich dagegen seinem Privatleben gewidmet und von seiner neuen, 49 Jahre jüngeren Freundin erzählt: eine Frau mit soliden moralischen Prinzipien, dank der er sich „weniger alleine“ fühlt. Rührend.

In der Werbepause diktiert er der Interviewerin die Fragen direkt ins Mikrophon – wie auch der aufmerksame Fernsehzuschauer mitbekam, da die Werbung erst ein paar Sekunden später begann. So hat Berlusconi die Möglichkeit, den Hausfrauen und Familien, die Sonntag Nachmittage traditionsgemäß vor dem Fernseher verbringen, zu versprechen, dass er die verhasste Immobiliensteuer Imu wieder abschaffen wird.

Ebenfalls auf seinem Sender Canale Cinque hatte er ein paar Tage vorher Monti als zu Deutschland-hörig beschimpft und außerdem gesagt, dass ihm der Spread – also der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen - egal sei. Wenig später, auch auf einem seiner Sender, diesmal Italia Uno, hatte er Monti dagegen angeboten, für das Mitte-Rechts-Spektrum zu kandidieren. Davon ist jetzt schon nicht mehr die Rede. Aber egal, wichtig ist, im Gespräch zu bleiben und sich im freundlichen Umfeld zu präsentieren.

Wer Berlusconi in diesen Tage nicht sehen will, sollte seine Hände definitiv von der Fernbedienung lassen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Italien: Silvo Berlusconi spielt auf Zeit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ dat wird teuer für de italienas. wennse den wieder wählen tun. jo, denne werdense sehenden auges seine zunehmende altersdegeneratione erlebe. regierungschefe mit vormundo und büro plus intensivstatione. dat gibt ne rejierungs-demento-reality-tv-show erster sahne. jo, und denne jehts in richtung argentina! juhu! und alle singe lustig EVITA!!!!!!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%