Italienischer Kontaktmann noch nicht über den Berg
Britische Polizei weitet Strahlentod-Ermittlungen aus

Nach dem Tod des russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko in London will die britische Polizei ihre Ermittlungen ausweiten.

HB LONDON. Die Polizei werde allen Spuren nachgehen, auch wenn sie ins Ausland führten, sagte der britische Innenminister John Reid am Sonntag dem Fernsehsender Sky TV. Der mit dem radioaktiven Polonium 210 vergiftete Litvinenko hatte von seinem Sterbebett aus die russische Regierung beschuldigt, seine Ermordung befohlen zu haben. Russland wies diesen Vorwurf zurück. Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete, neun britische Polizei-Ermittler sollten am Montag nach Moskau fliegen.

Im Rahmen ihrer Untersuchungen sollten sie dort mehrere russische Bürger verhören, berichtete die Agentur unter Berufung auf nicht näher identifizierte Kreise. Die zu befragenden Russen hätten sich am 1. November in London aufgehalten - dem ersten Tag von Litvinenkos Erkrankung. Unter den britischen Ermittlern seien auch Terror-Experten. Von der Londoner Polizei war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Innenminister Reid kündigte zudem an, er werde die Erkenntnisse der britischen Behörden noch in dieser Woche an andere Minister der Europäischen Union (EU) weitergeben. Zudem seien die britischen Gesundheitsbehörden in Kontakt mit ihren europäischen Partnern.

Litvinenkos italienischer Kontaktmann Mario Scaramella sieht sich noch nicht ganz über den Berg. Er sagte am Samstag, Urin-Tests hätten ergeben, dass er eine potenziell tödliche Polonium-Dosis aufgenommen habe. Gefährliche Konzentrationen würden über Monate in seinem Körper bleiben, sagte er. Das Londoner Krankenhaus, das ihn behandelt, hatte zuvor mitgeteilt, dem Patienten gehe es gut und erste Tests hätten keinen Hinweis auf ein Verstrahlung ergeben.

Scaramella sagte italienischen Medien, er habe Grund zur Annahme, dass seine Vergiftung damit zu tun habe, dass Litvinenko und er sich über Geheimnisse ausgetauscht hätten. Er machte keine Angaben über die Informationen, die Litvinenko ihm übermittelte. Scaramella äußerte auch keinen Verdacht hinsichtlich der Täter. Litvinenko und der KGB-Experte Scaramella hatten sich am 1. November in einer Londoner Sushi-Bar getroffen, um Informationen auszutauschen.

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