IWF-Chef Rato
Entscheidungsträger müssen Wachstum absichern

IWF-Chef Rodrigo Rato hat die Entscheidungsträger in den wichtigen Wirtschaftsregionen der Welt dazu aufgefordert, eine inflationsarme Fortsetzung des robusten Aufschwungs abzusichern.

HB WASHINGTON. Um die Inflationsgefahren angesichts des kräftigen Aufschwungs im Griff zu halten, müssten dabei Zentralbanken in den einzelnen Regionen ihre Geldpolitik entsprechend ausrichten. Das sagte Rato am Samstag laut Redetext vor dem Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF). In den USA sei es angesichts des moderateren Wachstums angemessen, die Zinsen vorerst stabil zu halten. In der Euro-Zone sei mit einer zunehmenden Wachstumsdynamik eine Zinsanhebung um einen Viertel Prozentpunkt bis zum Sommer vertretbar. Grundsätzlich seien „frühzeitige und entscheidende“ Schritte erforderlich, um Risien für einen längerfristigen Fortgang des Aufschwungs zu begegnen.

Insgesamt äußerte sich Rato zuversichtlich hinsichtlich der weiteren weltweiten Wirtschaftsentwicklung. Auch in Hinblick auf den Abbau der wiederholt beklagten weltweiten wirtschaftlichen Ungleichgewichte hätten sich zuletzt positive Entwicklungen gezeigt. Dazu gehörten die Abwertung des Dollars in den letzten Monaten, die Zunahme der Flexibilität bei den Wechselkursen einiger asiatischer Länder sowie die niedrigeren Ölpreise. China könnte von noch flexibleren Wechselkursen profitieren. Positiv vermerkte Rato zudem das gesunkene US-Handelsbilanzdefizit. Auch wenn die guten wirtschaftlichen Bedingungen in der Welt den Finanzmärkten geholfen hätten, sei doch hinsichtlich mancher Entwicklungen Aufmerksamkeit geboten, warnte Rato. Das betreffe etwa die Probleme am US-Immobilienmarkt und eine offenbar laxere Kreditvergabepraxis dort. Die Zunahme von Spekulationen (carry trades) auf bestimmte Marktentwicklungen verbunden mit stärkeren Ausschlägen an einigen Märkten sei ein Zeichen von Verwundbarkeit. Zur langfristigen Absicherung des Wachstums mahnte Rato Budgetsanierungen in vielen Ländern an, die bessere Beobachtung von Finanzmarktrisiken, Strukturreformen sowie eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Schwellen- und Entwicklungsländern.

EU-Währungskommissar Joaquin Almunia sagte vor dem Lenkungsausschuss, in der EU habe das Wachstum an Kraft und Breite gewonnen. Die Kommission erwarte in diesem Jahr eine Expansion der Region von 2,7 Prozent. Auch wenn die EZB ihre Geldpolitik gestrafft habe, bleibe sie der konjunkturellen Belebung angemessen. Die Finanzierungsbedingungen blieben günstig, die Inflationsrisiken vorerst begrenzt. Zugleich habe sich die Haushaltslage in etlichen EU-Staaten, so auch in Deutschland, als Folge des Aufschwungs deutlich verbessert. Weltweit deute einiges auf eine Stabilisierung bei den Ungleichgewichten hin. Für Europa werde es darum gehen, auf seinem Weg der Reformen voranzuschreiten.

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