IWF stellt Nothilfe in Aussicht
Rohstoffriese Mongolei in der Krise

Der einstige Wachstumsstar Mongolei ist von einer Staatspleite bedroht. Das rohstoffreiche Land kann kaum noch seine Schulden begleichen. Jetzt stellt der Internationale Währungsfonds eine Notfallhilfe in Aussicht.
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PekingIm Staatshaushalt der Mongolei klafft eine wachsende Lücke. Die Staatspleite droht. Daher hat sich jetzt der Internationale Währungsfonds eingeschaltet. Mit seinen Partnern stellte der IWF am Sonntag eine Zahlung von fünf Milliarden Dollar an die mongolische Regierung in Aussicht.

Allerdings muss der IWF-Vorstand der Notzahlung noch zustimmen. Eine Entscheidung wird für März erwartet. Doch die Mongolei braucht schon jetzt dringend Geld, um die Staatspleite abzuwenden. Dem Finanzministerium zufolge könnte das Land im vergangenen Jahr ein Defizit von mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes aufgebaut haben. Die Regierung hatte sich während der vergangenen vier Jahre fünf Milliarden Dollar über Anleihen geliehen. Allein in diesem Jahr müssen mehr als 580 Millionen Dollar zurückgezahlt werden.

Die Mongolei zählt zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt. Der Binnenstaat zwischen Russland und China gilt als einzige Demokratie Zentralasiens. Die rund drei Millionen Einwohner leben auf einer Fläche, die rund viereinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Fast die Hälfte von ihnen wohnt in der Hauptstadt Ulan Bator.

Der Binnenstaat zwischen Russland und China hatte auf hohe Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft gehofft. 2011 wuchs die Wirtschaft des Landes um 17 Prozent. Die Mongolei gehörte mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich real 14 Prozent von 2010 bis 2014 zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Erde. Der Internationale Währungsfonds prognostizierte eine Verdoppelung des Pro-Kopf-Einkommens bis zum Jahr 2021.

Doch der Rohstoffboom in der Mongolei kam zu einem abrupten Ende. Politiker des Landes fühlen sich von internationalen Rohstoff-Firmen über den Tisch gezogen. Das Parlament verabschiedete ein Gesetz, das ausländische Unternehmen in Sektoren wie Bergbau und Finanzen mit strengen Regeln belegte. Zwar wurde das Gesetz später entschärft. Bis heute halten sich globale Firmen mit ihren Investitionen in der Mongolei jedoch zurück. Der Staat versuchte mit immer größeren Krediten die Wirtschaft auf Kurs zu halten.

Der IWF will mit seiner Hilfe die Staatspleite abwenden. Über drei Jahre sollen nach der Ankündigung vom Sonntag 440 Millionen Dollar bereitgestellt werden. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Weltbank sowie Japan und Südkorea sollen bis zu drei Milliarden Dollar zahlen.

Die chinesische Zentralbank soll ihr bereits bestehendes zwei Milliarden Dollar umfassendes Tauschgeschäft mit der Bank der Mongolei zudem um mindestens drei weitere Jahre verlängern.

Nach Russland war die Mongolei das zweite Land der Welt, das sich offiziell zur sowjetischen Republik erklärte. Bis 1990 war das Land stark von der Sowjetunion abhängig. Beeinflusst von der Wende in Osteuropa kam es zum demokratischen Wandel.

Heute konkurrieren mehrere Parteien um die Macht. Es gibt regelmäßige Regierungswechsel. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt noch traditionell von der Viehwirtschaft. Die meisten von ihnen sind Nomaden. Sie halten Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde und Kamele.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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