IWF-Tagung
Schäuble will „das Unverständnis“ an den Finanzmärkten ausräumen

Kurz vor Beginn der IWF-Tagung in Tokio hat Finanzminister Schäuble die Ratingagentur S&O für die Herabstufung Spaniens kritisiert. Bundesbankpräsident Weidmann warnte vor einer Politik mit der Notenpresse.
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TokioBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Herabstufung der spanischen Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) kritisiert.

Die Entscheidung basiere auf einem Missverständnis, das durch „die Schaffung unrealistischer oder unzutreffender Erwartungen“ auf den Finanzmärkten geschürt worden sei, sagte Schäuble am Freitag in Tokio vor der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.

S&P hatte die Senkung der Bonitätsnote der viertgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone von „BBB+“ auf „BBB-“ unter anderem mit Zweifeln an der Bereitschaft in Europa begründet, die spanischen Bankschulden zu vergemeinschaften. Hintergrund sind Pläne für eine europäische Bankenaufsicht, die Voraussetzung für eine direkte Rekapitalisierung maroder Banken in Euroländern durch den Rettungsfonds ist.

Die angestrebte Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte jedoch im Januar 2013 noch nicht komplett stehen. Dies sorgt an den Märkten für Verunsicherung.

Die IWF-Jahrestagung soll nach den Worten Schäubles auch dazu dienen, „das Unverständnis“ an den Finanzmärkten weiter auszuräumen. „Wir werden sehr intensiv erklären, was wir machen, warum wir es machen und warum wir es nicht machen.“

Seinem Eindruck nach hätten die Teilnehmer des Treffens „sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir in Europa erhebliche Fortschritte gemacht haben“ bei der Überwindung der Krise.

Schäuble und Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatten am Donnerstag an den Beratungen der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden westlichen Industrieländer (G7) teilgenommen. Auch Weidmann sagte, Botschaft dieser IWF-Tagung sei, dass der wirtschaftliche, marktgetriebene Anpassungsprozess im Euro-Raum in Gang gekommen sei. Man stehe erst am Anfang, es gebe aber Erfolge.

Die Leistungsbilanz- sowie die Haushaltsdefizite in Problemländern seien gesunken. Der Leistungsbilanzüberschuss der Exportnation Deutschland wiederum habe sich seit dem Höchststand im Jahr 2007 bis Ende 2011 halbiert, sagte der Bundesbank-Chef mit Blick auf die Debatte zum Abbau globaler Ungleichgewichte.

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Warum Weidmann vor Pessimismus warnt

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  • Und wenn Merkel und Steinbrück wie kleine Schulkinder auftreten und mir ihr heiligstes Wort geben, daß alles gut geht, dann interessiert mich das ein Scheiß. Außer sie unterschreiben mir einen Schrieb, in dem sie persönlich haften. Als Sicherheit will ich nicht weniger als all ihr Eigentum plus ihren Kopf auf dem silbernen Tablett.

  • Ich hab´ mein Geld jedenfalls in Sicherheit gebracht und meine Schäflein ins Trockene. Mir wird die Sache zu heiß. Ihr könnt ja weiterquatschen.

    Die Deutschen sind zwar sehr fleißig und sehr pflichtbewußt, aber clever sind sie nicht. Mir kommt es vor als befänden sich alle im Tiefschlaf. Das "keiner muss sich sorgen" und "alle sollen cool bleiben" kommt mir vor wie "keiner hat vor eine Mauer zu bauen".

  • @Mazi
    Sicherlich, das Strafrecht ist in dieser Hinsicht bisweilen machtlos. Wie sieht es aber mit dem Haftungsrecht aus? Insbesondere wenn gegen Eid, Mandat oder Aufsichtspflichten verstoßen wurde. Wen man die Gauner schon nicht einlochen kann, dann doch zumindest enteignen.

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