Jemen
Jemen: Deutsche Geiseln haben Mitschuld

Haben sich die entführten Geiseln im Jemen leichtfertig selbst in Gefahr gebracht? Dieser Meinung ist die jemenitische Regierung, die den Entführten eine Mitschuld an ihrem Schicksal gibt.

HB SANAA/BERLIN. Die im Jemen entführten Deutschen haben nach Angaben der Regierung in Sanaa die Warnung vor einem Überfall ignoriert und sich leichtfertig in Gefahr gebracht. „Die Behörden haben die Drohung eines Angriffs erhalten, und es gab eine Warnung an die Deutschen mit der Bitte, sich nicht außerhalb ihres gewohnten Arbeitsumfelds zu bewegen“, sagte der jemenitische Innenminister Muttahar Al-Masri am Samstag zu Journalisten. Zugleich berichtete er von Hinweisen, wonach die deutschen Geiseln noch am Leben sein könnten. Der jemenitischen Regierung liege ein entsprechender Bericht vor, der aber nicht bestätigt sei, sagte der Minister.

In der vergangenen Woche war im Jemen eine Gruppe von neun Ausländern bei einem Ausflug ins Hinterland nahe der Grenze zu Saudi-Arabien entführt worden. Unter ihnen waren sieben Deutsche. Kurz darauf wurden die Leichen von zwei deutschen Krankenschwestern und einer südkoreanischen Lehrerin gefunden, die zu der Gruppe gehörten. Über das Schicksal der übrigen fünf Deutschen herrscht seitdem Ungewissheit. Die Behörden schließen auch eine Verbindung der Täter zum Extremistennetz Al-Kaida nicht aus.

Der für die Suche nach den entführten Ausländern zuständige General Jahja Salih sagte in einem Interview von „Spiegel Online“, es gebe derzeit keine heiße Spur von den Geiseln oder den Kidnappern. „Dieser Fall ist definitiv die seltsamste Entführungsgeschichte, die es je im Jemen gab“, sagte Salih. Normalerweise würden Stämme ausländische Geiseln dazu benutzen, um entweder Geld oder Sozialleistungen wie neue Straßen und Brunnen zu erpressen, gelegentlich auch die Freilassung von inhaftierten oder verurteilten Straftätern. „Bis jetzt tappen wir im Dunkeln.“

Gegen eine Täterschaft von Al-Kaida spreche die Tatsache, dass es bislang kein Bekennerschreiben gebe. „Das Terror-Netz Al-Qaida hätte sich umgehend zu der Tat bekannt, sich damit sogar noch gebrüstet und sie als gottgefällige Aktion gepriesen“, sagte Sahdi.

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