Jemen
Präsident fürchtet kein zweites Somalia

Im Jemen hat es den dritten Tag in Folge erbitterte Gefechte zwischen Regierungstruppen und der Opposition gegeben. Laut Präsident Ali Abdullah Saleh werde sein Land aber nicht im Chaos versinken.
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Die Armee feuerte nach Angaben von Augenzeugen mindestens eine Rakete ab, die allein fünf Zivilisten tötete. Die Kämpfer von Scheich Sadik al-Ahmar besetzten unterdessen das Gebäude der staatlichen Nachrichtenagentur Saba und das Tourismusministerium.

Ein Mitarbeiter der ins Kampfgeschehen gezogenen Agentur Saba sagte, die Journalisten hätten ihre Arbeit kurz nach der Besetzung durch bewaffnete Anhänger des Scheichs in einem staatlichen Gebäude unweit des Tahrir-Platzes fortgesetzt. Zunächst war unklar, wie viele Tote es insgesamt gab. Am Vortag waren nach Angaben des Innenministeriums 15 Soldaten, nach Angaben des Internet-Portals „yemenpost.net“ bis zu 40 Stammeskämpfer getötet worden. Salih-Truppen versuchen seit Montag, die Residenz Al-Ahmars im Innenstadt-Viertel Hasaba zu stürmen.

Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh sieht seinen Staat trotz der eskalierenden Gewalt nicht im Chaos versinken. „Der Jemen, so hoffe ich, wird nicht zu einem gescheiterten Staat oder ein neues Somalia werden“, sagte er.

Der 69-Jährige gab seinen Gegnern die Verantwortung für die jüngsten Unruhen in dem arabischen Land. Die Vorfälle seien „eine Provokation mit dem Ziel, uns in einen Bürgerkrieg zu stürzen“, hatte er zuvor vor ausgewählten Journalisten erklärt.

Saleh verwies dabei auf die „Söhne Ahmars“ - Anhänger des Stammesfürsten Sadik al-Ahmar. Vor Ahmars Anwesen waren am Sonntag wieder Unruhen ausgebrochen, nachdem Saleh erneut die Unterzeichnung eines Abkommens verweigert hatte, das seinen Rücktritt binnen eines Monats vorsieht.

Heute flohen zahlreiche Jemeniten aus der Hauptstadt Sanaa vor anhaltenden Gefechten zwischen Gegnern und Anhängern Salehs, bei denen in den vergangenen drei Tagen mindestens 39 Menschen getötet wurden. Der Volksaufstand dauert nun vier Monate an.

Nach fast 33 Jahren an der Macht hat sich Saleh grundsätzlich zum Rücktritt bereiterklärt. Das hat er heute noch einmal bekräftigt. Weitere Zugeständnisse gebe es aber nicht. Nach seinem Abtritt wolle er im Land bleiben. „Ich bin ein normaler Bürger“, sagte er. „Ich werde im Jemen bleiben. Ich werde meine Partei führen und ich werde in die Opposition gehen.“

Saleh warnte vor einer Einmischung anderer Staaten. Er nehme „keine Befehle aus dem Ausland entgegen“, sagte er. „Dies ist eine interne Sache.“ Der Vermittlungsvorschlag wurde vom Golf-Kooperationsrat ausgearbeitet. Zahlreiche Staaten, darunter auch die USA, haben eine friedliche Lösung des Konflikts gefordert. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte heute, Saleh müsse seinen Ankündigungen endlich Taten folgen lassen und dem Dokument zustimmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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