John Kerry in Berlin
Der Europa-Versteher

Asien ist nicht alles: Mit seiner Europareise zeigt der neue US-Außenminister John Kerry, dass der Alte Kontinent in Washington noch stattfindet. Doch viele Möglichkeiten zur Gestaltung hat Amerikas Chefdiplomat nicht.
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WashingtonImmerhin, für ein bisschen Sightseeing hatte John Kerry schon Zeit. Am Montagabend twitterte der neue US-Außenminister ein Foto von sich, wie er mit seinem Blackberry das Brandenburger Tor fotografiert. „Fahrwerk raus, Berlin!“, ließ Kerry schreiben, nachdem er mit seiner Regierungsmaschine aus London in Tegel gelandet war.

Die deutsche Hauptstadt ist die zweite Station auf der ersten Auslandsreise des Neuen im State Department. Und es ist ein bekannter Ort für ihn: Als Diplomatensohn hatte Kerry in den 1950er-Jahren einige Zeit in Berlin gelebt. Geschichten, wie er als Elfjähriger in die Ostzone radelte und seinen Vater verärgerte, hat Amerikas Chefdiplomat, heute 69, in den vergangenen Tagen oft und gerne erzählt.

Außer Anekdoten hat Kerry aber noch mehr im Gepäck. Seine Reise nach London, Berlin, Paris, Rom und in den Nahen Osten, nur drei Wochen nach Amtsantritt, hat einen hohen Symbolwert: Europa, so das Signal, findet noch statt in Washington.
Auf dem alten Kontinent zu beginnen „unterstreicht, wie viel wir mit unseren wichtigsten Partnern gemeinsam haben und dass wir viele Werte teilen“, sagte ein Mitarbeiter Kerrys auf dem Flug nach London. Der Außenminister wolle die Beziehungen „noch weiter vertiefen“.

Kerry schmeichelt allen Transatlantikern, die sich vernachlässigt fühlen, weil US-Präsident Barack Obama lieber der „erste pazifische Präsident“ sein will und Kerrys Vorgängerin Hillary Clinton zum Antrittsbesuch nach Ostasien geflogen war. Nicholas Siegel von der Denkfabrik German Marshall Fund sieht Anzeichen für eine „echte Wiederbetonung der transatlantischen Beziehungen“.

Auch Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich erfreut. Kerrys Reise gebe „all denen Unrecht, die gemeint haben, Europa sei für die USA nicht mehr wichtig“, sagte Westerwelle der „Passauer Neuen Presse“. Ihn wird Kerry am heutigen Dienstag ebenso treffen wie Kanzlerin Angela Merkel. Am Morgen ist zunächst eine Diskussionsrunde mit Jugendlichen geplant, am Abend wird Kerry dann seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow im Hotel Adlon empfangen, bevor es weitergeht nach Paris.

Kommentare zu " John Kerry in Berlin: Der Europa-Versteher"

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  • Viel Gestaltungsspielraum aber hat er nicht
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    Ja, das ist leider wahr.
    Obama hat keinerlei Beziehung zu Europa und schon gar nicht Detuschland. Das hat er ja schon in seiner ersten Amtszeit deutlich gezeigt.
    Es macht sich bei ihm auch oftmals seine Herkunft bemerkbar. In´nenpolitisch agiert er wie Busch jun. Bürgerrechte und freiheit der Amerikander bescvhneiden. Außenpolit. hat er auch nichts Nennenswertes vorzuweisen.

  • Sehr geehrter Herr Rüdel,

    was ist denn das bitte für ein Satz:
    "...dass der Alte Kontinent in Washington noch stattfindet." ?
    Wo hat den Ihre journalistische Ausdrucksbildung stattgefunden?

    Und den Satz muten Sie uns auch noch im Header zu.
    Beim nächsten mal wird alles besser, hoffentlich.

  • Nachdem Obamas Traum vom ersten pazifischen Präsidenten an den Chinesen gescheitert ist und man in die leeren Kassen geschaut hat, will man alte Allianzen festklopfen. Wird auch Zeit, da China Deutschland schon mehr als einmal öffentlich Freundschaft angeboten hat. Jeder, der seine Kräfte schonen kann, wird sie nicht mit schwachen Allianzen vergeuden. Deutschland denkt schon heute weiter.
    Dennoch: Ein sympatisches Wesen hat dieser Kerry. Mal was Neues.

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