Kabinettsumbildung
Blair behält seinen liebestollen Stellvertreter

Der britische Premier Tony Blair hat am Freitag ein „Bloody Breakfast“, ein blutiges Frühstück, veranstaltet: Bei einem Essen mit seinen Kabinettsmitgliedern gab er Außenminister Jack Straw und Innenminister Charles Clark den Laufpass. Dafür steigt die erste Frau in seinem Kabinett zur Chefdiplomatin auf.

HB LONDON. Nur Stunden nach der schwersten Schlappe seiner Labour-Partei bei Kommunalwahlen seit Jahrzehnten wetzte der Premierminister, den Parteifreunde als „äußerst entschlossen“ beschrieben, das Messer. Nach dem „blutigen Frühstück“ in der Downing Street hat Großbritannien nun eine weitgehend neu zusammengesetzte Regierung.

Blair entließ Außenminister Jack Straw und Innenminister Charles Clarke, nicht aber seinen Stellvertreter John Prescott, der zwei Jahre lang eine Affäre mit seiner Sekretärin hatte. Prescott, der seit 45 Jahren verheiratet ist, wurde von der Presse ertappt und gab schließlich alles zu. Blair spielte die Affäre jedoch als private Angelegenheit herunter.

Neue Außenministerin wird die bisherige Umweltministerin Margaret Beckett, die erste Frau in diesem Amt. Straw erhielt den Ersatzposten des Unterhausführers, der eher repräsentativen Charakter hat. Clarke lehnte ein solches Angebot ab. Der umstrittene Innenminister, dessen Behörde es jahrelang versäumte, eine Abschiebung von ausländischen Straftätern zu prüfen, erklärte, er wolle Blair künftig als Hinterbänkler unterstützen.

Das Innenressort übernimmt Verteidigungsminister John Reid, der in diesem Amt wiederum von Des Browne abgelöst wird, bislang Erster Staatssekretär im Schatzamt. Der bisherige Unterhausführer Geoff Hoon, ein früherer Verteidigungsminister, übernimmt das Europaressort von Douglas Alexander, der wie Clarke aus der Regierung ausscheidet. Prescott bleibt zwar stellvertretender Premierminister, doch verliert er die ministerielle Verantwortung für den Wohnungsbau.

Sogar in den Reihen von Blairs Partei wird jedoch bezweifelt, dass dieses umgebildete Kabinett den Niedergang von „New Labour“ bis zu den Parlamentswahlen, die spätestens in vier Jahren stattfinden müssen, aufhalten und die Partei wieder auf die Siegerspur führen kann. „Das ist wie die Umstellung der Stühle auf dem Deck der sinkenden „Titanic““, frotzelte der Labour-Abgeordnete und frühere Gesundheitsminister Frank Dobson. „Wir brauchen eine erneuerte Partei unter einem erneuerten Management.“

Oppositionsführer David Cameron warf Blair vor, mit dem Umrangieren die Lösung anstehender Probleme nur weiter zu verzögern. „Dem Land kann keine umgebildete alte Regierung mehr helfen, sondern nur noch eine völlig neue.“ Die sollte nach Camerons Vorstellung natürlich von den Tories gestellt werden. Die Aussichten darauf sind für die unter Cameron nach langen Jahren der Agonie wieder erwachte Konservative Partei erheblich besser geworden, wenngleich noch viel Wasser die Themse herunterfließen wird, bis es wieder Parlamentswahlen mit der Chance eines Regierungswechsels gibt.

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