Kämpfe
Afghanistan: Bundeswehr forderte Luftangriff an

Nahe der Stadt Kundus sind bei einem Nato-Luftangriff auf zwei gekaperte Tanklastzüge nach Angaben der Bundeswehr etwa 50 Menschen getötet worden, die meisten waren Taliban. Die Bundeswehr hatte den Luftangriff angefordert.

HB BERLIN/KUNDUS. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, die Bundeswehr gehe von mehr als 50 getöteten Aufständischen aus. "Vermutlich" seien keine Unbeteiligten ums Leben gekommen, als zwei von den radikal-islamischen Taliban gekaperte Tanklastlastzüge am Freitag bombardiert wurden und dann explodierten. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, gab die Zahl der Getöteten dagegen mit 90 an und sagte, die Hälfte davon seien Zivilisten gewesen. Unter den Toten befänden sich auch vier Tschetschenen.

Inzwischen hat Omar seine ursprünglichen Angaben zu den Opfern bei dem von der Bundeswehr angeforderten Bombardement inzwischen nach unten korrigiert: zwischen 50 und 60 Menschen seien getötet worden, als zwei von den Taliban in ihre Gewalt gebrachte Tanklastlastzüge am Freitag bombardiert wurden und dann explodierten. "Die meisten davon waren bewaffnete Taliban." Rund 30 weitere Menschen seien verletzt worden. "Das Problem ist, dass all diese Menschen rund um die Tanklastwagen schwer verbrannt wurden und es unmöglich ist, sie zu identifizieren."

Der Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus habe die Luftunterstützung erbeten. Die Internationale Schutztruppe ISAF und afghanische Stellen richteten eine Untersuchungskommission ein. Es müsse geklärt werden, warum ein Luftangriff angeordnet worden sei, obwohl die Situation vor Ort unübersichtlich gewesen sei, sagte der stellvertretende UN-Gesandte für Afghanistan, Peter Galbraith.

Bundeswehrsoldaten hätten nach der Entführung die Lage "aufgeklärt", sagte Oberstleutnant Jörg Langer vom Eisatzführungskommando in Potsdam. Er ließ offen, ob die Aufklärung zu Lande oder aus der Luft stattfand. Die Angaben über die zivilen Opfer bestätigte er ausdrücklich nicht. Es sei, wie in solchen Fällen inzwischen üblich, eine Untersuchungskommission unter Einbeziehung afghanischer Kräfte eingesetzt worden, die bereits auf dem Weg zum Ort des Geschehens sei. Wenn sie sich ein Bild gemacht habe, "werden wir hoffentlich die Wahrheit wissen".

Für die NATO erklärte Christine Sidenstricker in Kabul, NATO-Kampfjets hätten die Tanklaster angegriffen und zerstört, nachdem ermittelt worden sei, dass sich keine Zivilisten in der Gegend aufgehalten hätten.

Nach Angaben der Bundeswehr hatten Taliban-Kämpfer in der Nähe von Kundus einen Kontrollposten errichtet und dort gegen 1.50 Uhr Ortszeit zwei beladene Tanklastzüge in ihre Gewalt gebracht. Die Taliban hätten den Treibstoff in den Unruhedistrikt Char Darah bringen und selbst nutzen wollen. Die Aufständischen seien entdeckt und gegen 2.30 Uhr Ortszeit erfolgreich bekämpft worden. Zivilisten seien vermutlich nicht getötet worden. Deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden, teilte die Bundeswehr mit.

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